DGNB, Impuls
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BIM, Nachhaltigkeit und Zertifizierung

DGNB BIM Workshop

Das Thema Building Information Modeling, kurz BIM, beschäftigt die Bau- und Immobilienbranche seit einigen Jahren. Doch was bedeutet BIM für die Hersteller, die Architekten und Planer und letztlich auch für die Betreiber? Wer kann sich BIM überhaupt leisten? Und welche Rolle spielt die DGNB in der BIM-Diskussion?

„BIM wird unsere Arbeitsweise verändern“, darüber sind sich die Teilnehmer der diesjährigen DGNB Impuls Session zum Thema Digitalisierung einig. Wie groß die Veränderung sein wird, ist jedoch nicht klar. Klar ist hingegen: Die Unsicherheit ist groß und der Blick in die Zukunft mitunter ungewiss. Diese kritischen Töne kommen nicht von ein paar Bedenkenträgern, sondern von einer repräsentativen Gruppe bestehend aus Akteuren unterschiedlicher Disziplinen, angefangen von Herstellern, Planern bis hin zu den Betreibern. Also ein Personenkreis, der sich aktiv mit BIM auseinandersetzen muss.

BIM und die Nachhaltigkeit

DGNB Impuls Session „Digitalisierung“: BIM und Nachhaltigkeit verzahnen – was ist möglich?

DGNB Impuls Session „Digitalisierung“: BIM und Nachhaltigkeit verzahnen – was ist möglich?

Im Rahmen von BIM werden bislang keine Daten explizit für die Nachhaltigkeit abfragt. Das muss sich ändern, denn wenn wir jetzt die Prozesse des nachhaltigen Bauens nicht in BIM als festen Bestandteil integrieren, dann ist eine Einführung irgendwann schwierig oder nicht mehr möglich. Wie lassen sich also BIM und der DGNB Planungsprozess konkret miteinander verzahnen?

Johannes Gantner vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik, forscht derzeit an einem BIM-Referenzobjekt in Deutschland. Ziel des Projekts ist es, die Building-Information-Modeling-Methode anhand konkreter Bauprojekte beispielhaft anzuwenden – auch unter der Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte.

M.Sc. Johannes Gantner Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP

M.Sc. Johannes Gantner
Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP

Dabei vergleicht er, welche Daten aus verschiedenen BIM-Modellen mit unterschiedlichem Informationsgehalt für die verschiedenen Steckbriefe einer Nachhaltigkeitszertifizierung verwendet werden können. Als Grundlage hat er die DGNB Kriterienkataloge von Bürogebäuden, unterteilt in Neubau, Bestand und Modernisierung, genommen. Seine Analyse zeigt, dass eine Vielzahl der für eine Nachhaltigkeitszertifizierung notwendigen Informationen direkt und automatisiert aus einem BIM-Modell entnommen werden können. Somit würde eine Nutzung von BIM den Arbeitsaufwand für eine DGNB Zertifizierung stark reduzieren und dabei gleichzeitig die Qualität und Konsistenz der Nachhaltigkeitsinformationen erhöhen.

Brücke zwischen Gebäude und Bauprodukten

Die Plattform für Bauprodukte bei der DGNB: der DGNB Navigator

Die Plattform für Bauprodukte bei der DGNB: der DGNB Navigator

Damit Projekte also von Anfang an verlässliche Nachhaltigkeitsdaten berücksichtigen können, ist eine Verknüpfung wie beispielsweise mit dem DGNB Navigator entscheidend. Denn der DGNB Navigator stellt eine wichtige Brücke zwischen Bauprodukten und dem DGNB Zertifizierungssystem her, indem er die geforderten Daten für die Gebäudezertifizierung bereitstellt.

Einen Schritt voraus sind uns hier übrigens unsere Schweizer Nachbarn. Heinz Bernegger, Geschäftsführer der Schweizer Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft – SGNI, die DGNB Systempartner ist, berichtet, dass in der Schweiz BIM bereits in das entsprechende Zertifizierungssystem integriert wird. Größere Bauherren haben zudem vereinbart, dass nur noch Projekte realisiert werden, die auf BIM basieren. Dadurch werden letztlich die Kostentreiber bei der Zertifizierung selbst reduziert.

BIM für Alle?

Mit dem Vormarsch von BIM und den dadurch verbundenen technischen Veränderungen wird gleichzeitig ein Strukturwandel vollzogen, der aus Sicht aller Beteiligten unterschiedliche Fragen und Herausforderungen aufwirft.

Hersteller:

  • Sie sind das erste Glied in der Kette, denn sie bieten nicht nur Produkte, sondern auch Systeme an. Trotzdem müssen die Planer die Anforderungen klar definieren, sodass die Hersteller letztlich die passenden Daten liefen können.
  • Die Formate sind bislang nicht eindeutig definiert. Dies steht einem reibungslosen Ablauf mit BIM entgegen.

Architekten und Planer:

  • Sie sehen eine große Chance für die integrale Planung und für die DGNB durch BIM.
  • Ihre Sorge: Wie herstellerneutral wird die Planung sein, und wird es auch herstellerneutrale Daten in BIM geben?
  • Die Frage, die für viele zukunftsweisend sein wird: Wer bezahlt für BIM und wer profitiert davon? Die HOAI muss die Frage der Honorare in Zukunft besser regeln.

Betreiber und Facility Manager:

  • Sie sehen das Einrichten eines Zentralregisters als notwendig an, damit die Dokumentation einheitlich ist.
  • Es fehlt die eine klare Definition bei der Frage nach den Zuständigkeiten.
  • Die Politik treibt das Thema kräftig voran; ab 2020 muss BIM bei allen neu zu planenden Projekten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur eingesetzt werden. Doch wie soll mit diesem Druck umgegangen werden? Ist Leasen statt Kauf ein erster Ansatz im Umgang mit BIM?

All diese Aspekte zeigen: BIM ist ein Thema, das viele beschäftigt. Genau aus diesem Grund arbeitet die DGNB gemeinsam mit ihren Mitgliedern, die die gesamte Wertschöpfungskette der Bau- und Immobilienbranche abbilden, aktiv daran, wie eine systematische Verzahnung von BIM-Lösungen und einer Nachhaltigkeitszertifizierung für Gebäude funktionieren kann. Ein Wunsch aller Beteiligten: Die DGNB soll als Vernetzungsplattform zwischen BIM und allen am Bau beteiligten Personen agieren. In den kommenden Monaten soll an dieser Positionierung in einem weiteren Workshop bei der DGNB gearbeitet werden. Dabei ist uns klar: BIM wird unsere Arbeitsweise verändern, aber wir selbst können Richtung und Ausmaß bestimmen.

Kategorie: DGNB, Impuls

von

Johannes Kreißig

Johannes Kreißig zählt zu den Pionieren des Nachhaltigen Bauens in Deutschland. Als einer der Initiatoren war er an der Gründung der DGNB 2007 maßgeblich beteiligt und ununterbrochen Mitglied im Präsidium. Seit 2016 arbeitet er als Geschäftsführer der DGNB GmbH und verantwortet die Bereiche System, Akademie und Navigator. Zuvor war Kreißig als Director Business Development bei der thinkstep AG, vormals PE International, tätig. Zudem engagierte er sich in zahlreichen Gremien wie dem World Green Building Council.

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