Gedanken zur Nachhaltigkeit – ein Kommentar von Amandus Samsøe Sattler

Nachhaltigkeit heißt neue Ziele setzen, weil man mit den alten nicht mehr weiter machen kann. Die neuen Ziele sind lebenszyklus- und gemeinwohlorientiert.

Die Form unserer Gesellschaft wird von Sicherheit, Freiheit und Wohlstand geprägt. Es geht darum, dieses zivilisatorische Projekt, dessen Teil wir sind, zu erhalten und in die Zukunft zu entwickeln.

Bisher basiert unser Gesellschaftsmodell jedoch auf der Annahme des Vorhandenseins grenzenloser Ressourcen oder anders gesagt: der Aufbau der Gesellschaft ist ressourcenignorant. Nun gibt es Stress wegen des Klimawandels und dessen globaler Auswirkungen auf unser Leben. Es geht also darum, wie wir weiter in Sicherheit, Freiheit und Wohlstand leben können, trotzt einer veränderten Basis der Verfügbarkeit der Grundlagen unseres Lebens.

Eine Zeit lang haben wir geglaubt, dass wir das Problem mit Technik lösen können. Aber Technik kann immer nur so viel wie die Gesellschaft, die sie anwendet. Und meist auch ohne daran zu denken, welche Auswirkungen die Anwendung auf die Umwelt hat. Die momentane Digitalisierung hilft uns auch nicht aus dieser Misere; im Gegenteil: sie fördert und beschleunigt die fossile Gesellschaft. Auch unsere Freiheit behalten wir nicht, wenn wir uns in Abhängigkeit der Technik begeben. Unsere Daten und Systeme werden von Unternehmen beeinflusst, die außerhalb unserer Kontrolle sind.

Als Reaktion auf diesen Zustand der Abhängigkeit von globalen Konzernen gibt es Bewegungen, die eher dezentrale und emanzipierte Strukturen zur Ernährungs- und Energieerzeugung entwickeln und ausprobieren. Diese Bewegungen werden bestimmt durch eine Vielzahl von sozialen und resilienten Projekten aus der gesellschaftlichen Basis. Diese Bottom-up Prozesse dürfen wir nicht unterschätzen, da viele relevante Veränderungen aus der Gemeinschaft kommen und nicht von politischen Eliten.

Über Nachhaltigkeit wird viel gesprochen, weil wir sie als einen Mangel erleben. Nun ist es an der Zeit, die Praxis zu ändern und nicht nur Nachhaltigkeit zu implementieren, sondern sie zu bauen und zu leben. Und wenn wir wollen, dass es eine relevante gesellschaftliche Bewegung werden soll, müssen wir sie auch mit der Ästhetik verbinden. Niemand will in einem Haus wohnen, nur weil es nachhaltig ist  – es muss auf allen Ebenen gut zu bewohnen sein – und Gestaltung spielt dabei eine große Rolle. Wir entscheiden uns für gute Räume, weil sie den Kontext für eine gute Erfahrung bieten.

Architekten sind gefordert, die Themen der Nachhaltigkeit in die Hand zu nehmen und diese nicht nur den Ingenieuren und der Technik zu überlassen.

 

DGNB Jahresrückblick 2016
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Amandus Samsøe Sattler

Geschrieben von:

Amandus Sattler ist Geschäftsführer des von ihm im Jahr 1987 gegründeten Architekturbüros Allmann Sattler Wappner Architekten in München. Er ist Mitglied der Gestaltungsbeiräte der Stadt Wiesbaden und der Stadt Oldenburg ein international gefragte Redner zum Thema „Ästhetik und Nachhaltigkeit in der Architektur“. 2015 wurde er zudem ins Präsidium der DGNB gewählt.

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