Saving the World – Der DGNB Beitrag zu den Sustainable Development Goals der UN

Vor fast genau einem Jahr, am 1. Januar 2016, trat die wegweisende Agenda 2030 der Vereinten Nationen in Kraft. Die Agenda definiert Ziele, um die weitere Entwicklung unserer Welt sinnvoll zu gestalten, um damit langfristig ein Umdenken und somit ein Leben in einer nachhaltigen Welt zu ermöglichen. Diese 17 Ziele, die Sustainable Development Goals (SDGs), gliedern sich in 169 Unterziele, welche der UN und ihren Mitgliedsstaaten als Richtlinie für deren Entwicklung in den kommenden 15 Jahren dienen sollen. Auf diesen Zielen fußt auch die von der Bundesregierung aktuell veröffentlichte Neuauflage der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2016.

 „Die Neuauflage der Nachhaltigkeitsstrategie ist ein großer Erfolg. Sie ist ein klares Bekenntnis zum Schutz unseres Planeten. Mit der Strategie stellt die Bundesregierung die Weichen dafür, dass sich Deutschland bis zum Jahr 2030 zu einer der weltweit effizientesten und umweltschonendsten Volkswirtschaften entwickeln kann.“
Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks

Auch immer mehr private Unternehmen und Nicht-Regierungs-Organisationen orientieren sich an den SDGs als maßgebliche Wegweiser für ihre jeweiligen Nachhaltigkeitsstrategien und Tätigkeiten.

Als die zentrale Organisation zum nachhaltigen Bauen hat sich die DGNB ebenfalls dazu entschieden, die globalen Nachhaltigkeitsziele aktiv zu unterstützen. In einem ersten Schritt haben wir unsere bisherigen Aktivitäten und Inhalte mit den SDGs und deren Unterzielen abgeglichen. Zudem werden wir unsere zukünftigen Handlungsfelder daran ausrichten und uns inspirieren lassen. Auch unsere Mitglieder und unser Netzwerk möchten wir in diesem Kontext zum aktiven Mitarbeiten aufrufen.

Bei vielen der SDGs zeigt sich, dass zu deren Umsetzung dem Gebäudesektor eine besondere Rolle zukommt. Unsere gebaute Umwelt ist aktuell für ein Drittel des globalen Ressourcenverbrauchs sowie für fast die Hälfte des globalen Energieverbrauchs verantwortlich und verursacht darüber hinaus mindestens ein Drittel  der globalen Treibhausgasemissionen. Allein in Deutschland sind etwa 2,8 Millionen Menschen in der Immobilienwirtschaft beschäftigt. Durch die Globalisierung und die vernetzten Wertschöpfungsketten ist die Gesamtzahl der durch deutsche Bautätigkeiten „betroffenen“ Menschen um ein Vielfaches höher.

Der Abgleich der globalen Nachhaltigkeitsziele mit unserem aktuellen DGNB System zeigt: Bereits heute gibt es zahlreiche Schnittstellen und Synergien.

Klimaschutz

Im November 2016 wurden in Deutschland mit dem Klimaschutzplan 2050 durch die Bundesregierung Zielvorgaben für 2050 und Reduktionsziele für 2030 definiert, die dazu beitragen sollen, dass die globale Temperaturerwärmung, wie im Paris-Abkommen vereinbart, auf maximal 2 °C begrenzt wird. So sollen etwa die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor in Deutschland um 66 bis 67 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. Wie bereits in unserem Blogbeitrag zum Klimaschutzplan dargelegt, sind wir der Meinung, dass der Gebäudebestand hierfür ein besonders großes Potenzial bietet, etwa aufgrund der hohen Verbrauchswerte im Betrieb und der derzeit noch überwiegend eingesetzten fossilen Brennstoffe. Diese Reduktionsziele verdeutlichen die Notwendigkeit und Dringlichkeit einer Einführung von Maßnahmen zum Klimaschutz, die gleichzeitig in die SDGs einzahlen.

Das DGNB System, dessen übergeordnetes Ziel eine Steigerung der Nachhaltigkeit in der gebauten Umwelt ist, trägt in seiner Gesamtheit direkt zum SDG 13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“ bei. Im Rahmen des DGNB Zertifizierungssystems werden ambitionierte Ziel- und belastbare Orientierungswerte für CO2-Emissionen für das Bauen und Betreiben von neuen und bestehenden Gebäuden definiert. Der aktuelle Zielwert für den Energiebedarf fordert eine dreißigprozentige Unterschreitung der gesetzlichen Vorgaben, inklusive der grauen Energie der eingesetzten Baustoffe.

Darüber hinaus leistet die DGNB als Verein durch die ganzheitliche Arbeit mit ihren Mitgliedern und ihrem breit aufgestellten Netzwerk einen wichtigen Beitrag, um Klimaschutzziele im Gebäudesektor zu verankern und die Relevanz des Themas immer wieder hervorzuheben. In enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Herstellern, Investoren, Bauherren, Architekten und Ingenieuren, Bauunternehmen, Betreibern, Nutzern aber auch mit anderen Verbänden sowie Forschungseinrichtungen wird die Entwicklung und die Einführung innovativer Technologien, Lösungen und Materialien für mehr Klimaschutz vorangetrieben. Zudem beteiligt sich die DGNB über Positionspapiere und Stellungnahmen an der politischen Debatte zu aktuellen Themen mit Bezug zum Klimawandel, wie mit einer Stellungnahme zum Klimaschutzplan 2050 oder zur Novellierung der Energiegesetzgebung für Gebäude. Über die DGNB Akademie wird das bei der DGNB vorhandene Wissen weitergetragen und multipliziert, wodurch das Bewusstsein für die Relevanz des Klimaschutzes gestärkt wird.

Ressourcen und Konsum

Die natürlichen Ressourcen der Erde sind ein kostbares Gut, das es zu schützen gilt. Der Verbrauch von Ressourcen geht immer mit Wirkungen auf Flora, Fauna und Menschen einher. Die Verfügbarkeit vieler Ressourcen ist inzwischen sehr begrenzt und führt zunehmend zu Verteilungskonflikten. Das DGNB System fördert ein nachhaltiges Wirtschaften sowie eine effiziente Nutzung aller eingesetzten Ressourcen. Der konkret für das Gebäude anfallende Ressourcenverbrauch – etwa der Frischwasserverbrauch, der Verbrauch endlicher materieller und energetischer Ressourcen – wird je Gebäude strukturiert ermittelt, transparent gemacht und anschließend bewertet. Über die Ökobilanz werden außerdem die Umweltwirkungen des Gebäudes berechnet und bewertet, die eine Verschmutzung von Boden und Gewässern etwa durch Versauerung oder Überdüngung hervorrufen und so zu Wald- und Fischsterben führen können.

Neben der Reduzierung des Ressourcenverbrauchs wird der Einsatz erneuerbarer Energieträger sowie die effiziente Nutzung von Flächen beurteilt. Für mehr Nachhaltigkeit bei der Materialgewinnung honoriert die DGNB den Einsatz von Holz und Naturstein aus nachhaltigem An- und Abbau. Darüber hinaus wird ein risiko- und schadstoffarmer Bau, der Einsatz recyclingfreundlicher Baustoffe sowie eine rückbaubare Konstruktion durch die DGNB gefördert. Damit ist der übergeordnete Leitgedanke einer verantwortungsbewussten, kreislauforientierten Ressourcennutzung gemäß der „Circular Economy“ bereits durch eine Vielzahl von Kriterien in unserem System verankert und wird zukünftig noch weiter ausgebaut.

Nachhaltigkeit im Quartier

Bei der Betrachtung der Nachhaltigkeit in der gebauten Umwelt dürfen Gebäude nicht losgelöst von ihrer Umgebung entworfen und/oder bewertet werden. So kann ein großes Angebot an Transportmöglichkeiten und Leihsystemen für Elektrofahrzeuge sowie die entsprechende Infrastruktur eine nachhaltige Mobilität langfristig fördern und auch die Qualität des Gebäudes erhöhen. Des Weiteren bietet das DGNB System die Möglichkeit, ganze Stadt- oder Gewerbequartiere und Industriestandorte zu betrachten. Hier werden etwa der Einbezug der Nutzer in Entscheidungsprozesse, Governance-Themen sowie das Vorhandensein von zugänglichen Frei- und Grünflächen in unmittelbarer Umgebung bewertet.

Gesundheit und Komfort

Um sicherzustellen, dass die in zertifizierten Gebäuden verwendeten Materialien und Innenausbauten möglichst keine gesundheitsgefährdenden Risiko- und Schadstoffe enthalten, wird im Rahmen der Zertifizierung die Erstellung eines vollständigen Bauteilkatalogs gefordert. Dieser ermöglicht die Einstufung der verwendeten Materialien und Baustoffe hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit. Ob tatsächlich im Gebäude vorhandene Schadstoffe in der Innenraumluft vorhanden sind, wird über eine Messung nach Fertigstellung ermittelt. Das Ziel, eine gesunde Raumluftqualität einzuhalten, sichert in den meisten Fällen ab, dass schädigende Baustoffe gar nicht erst eingesetzt werden. Im Rahmen der Ökobilanz-Berechnung wird außerdem ermittelt, wieviele Emissionen über den gesamten Lebenszyklus von der Herstellung über die Nutzung bis zum Lebensende entstehen, die der Umwelt und den Menschen beeinträchtigen können.

Gleichberechtigung und Teilhabe

Die DGNB möchte im Rahmen ihrer Möglichkeiten dafür Sorge tragen, dass Gebäude die notwendigen Voraussetzungen erfüllen, um eine gleiche Behandlung der Geschlechter sowie eine Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Das DGNB System behandelt diese Themen mit großer Sorgfalt, was sich etwa darin widerspiegelt, dass Gebäude, welche die Mindestanforderungen an die Barrierefreiheit nicht erfüllen, von der Zertifizierung ausgeschlossen sind. Durch den Ausbau familienfördernder Gebäudestrukturen, wie beispielsweise Räumlichkeiten für die Kinderbetreuung sowie Wickel- und Stillmöglichkeiten, wird eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert und allen die Möglichkeit geboten, gleichberechtigt am öffentlichen und beruflichen Leben mitzuwirken.

Indirekter Beitrag zu weiteren SDGs

Einen indirekten Beitrag leistet die DGNB darüber hinaus zu drei weiteren Nachhaltigkeitszielen. So unterstützt die DGNB etwa die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltschädigung und fördert die wissenschaftliche Forschungsarbeit sowie die Entwicklung von Innovationen. Als Verein trägt die DGNB dazu bei, Entscheidungsträgern auf sämtlichen Ebenen Hilfestellungen für repräsentative, belastbare und nachhaltige Entscheidungen zu geben, die langfristig zum Klimaschutz und zur Erreichung der hier beschriebenen Ziele beitragen.

Appell für mehr Nachhaltigkeit

Die DGNB nimmt die Herausforderung der Agenda 2030 an. Die UN-Ziele für die Menschheit und unsere Erde, die Basis für ein friedvolles Zusammenleben, geben uns als Organisation Orientierung und Inspiration. Wir werden mit all unseren Kräften daran arbeiten, die Ziele erreichbar zu machen und hoffen, auf diesem Weg viele Mitstreiter zu gewinnen.

Bilder: http://www.un.org/sustainabledevelopment/news/communications-material/

Dr. Anna Braune

Geschrieben von:

Anna Braune studierte in Berlin „Technischer Umweltschutz“. An der Universität Stuttgart arbeitete sie anschließend als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Von 2007 bis Ende 2008 leitete sie als Gründungs-Geschäftsführerin die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB). Danach war sie im Software- und Beratungsunternehmen thinkstep (vormals PE INTERNATIONAL) Principal Consultant und Teamleiterin. Seit September 2015 ist sie wieder bei der DGNB, als Abteilungsleiterin Forschung und Trends.

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