DGNB, DGNB System Version 2018
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Barrierefreiheit und Sicherheit, oder: Wie Gebäude die Bewegungsfreiheit unterstützen können

Menschen sollen sich in Gebäuden wohlfühlen. Das ist eine grundlegende Anforderung der DGNB. Die Kriterien der soziokulturellen und funktionalen Qualität zahlen hierauf ein. Dabei geht es unter anderem um „Barrierefreiheit“ und „Sicherheit“.

Dass die Gebäude für alle Menschen zugänglich sind, möglichst uneingeschränkt, sollte heute eigentlich selbstverständlich sein. Unabhängig von der persönlichen Situation und ungeachtet der individuellen körperlichen Möglichkeiten. Mit dem Kriterium „Barrierefreiheit“ adressiert die DGNB dieses wichtige Thema. Besonders deutlich wird die Relevanz, wenn man bedenkt, dass es eines von nur zwei Ausschlusskriterien im Zertifizierungssystem der DGNB ist. Konkret heißt das: Ein Gebäude, das die Mindestanforderungen an die Barrierefreiheit nicht erfüllt, erhält kein Zertifikat*.

Mehr-Sinne-Prinzip

Ein Gebäude sollte dabei nicht nur für Geh-, sondern ebenso für Seh- und Hörbehinderte ausgerichtet werden. Ertastet der Nutzer am Treppengeländer, in welchem Stock er sich befindet? Sagt mir der Aufzug, in welchem Stockwerk sich die Tür öffnet? Das Mehr-Sinne-Prinzip erlaubt visuelle, akustische und taktile Hilfen. Je mehr Gebäudebereiche Menschen mit motorischen, sensorischen oder kognitiven Einschränkungen ohne besondere Erschwernis und ohne fremde Hilfe begehen und benutzen können, desto besser fällt die Bewertung aus.

An visuelle, akustische und taktile Hilfen denken.

Bereits bei Planung berücksichtigen

Die größten Lenkungsmöglichkeiten für die Umsetzung der Barrierefreiheit bestehen in der Planungsphase. Breitere Türen, Schwellenfreiheit, barrierefreie Toilettenräume, Leitsysteme und taktile Elemente lassen sich am leichtesten von Anfang an mitplanen und einbauen. Hier können durch vorausschauende Lösungen die Kosten für eine erforderliche Anpassung und einen aufwändigen Umbau weitgehend vermieden werden. Die DGNB empfiehlt zudem, Experten hinzuziehen, um der Komplexität des Themas und den unterschiedlichen rechtlichen Grundlagen gerecht zu werden.

Alle profitieren davon

Grundsätzlich erhöht barrierefreies Bauen die Attraktivität von Gebäuden für alle Personengruppen. Natürlich besonders für Menschen mit oben genannten Einschränkungen. Aber auch Menschen mit Gepäck, Eltern mit Kinderwägen und im Grunde alle Menschen, bei denen sich das Älterwerden körperlich bemerkbar macht, profitieren davon. Gerade im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel sollte die Unterschiedlichkeit der Menschen als Potenzial empfunden und die Gebäude dementsprechend ausgestattet werden. Unabhängig davon, ob zu diesem Zeitpunkt Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen das Gebäude nutzen.

Bewegungsfreiheit nicht einschränken

Wir fühlen uns sicherer, wenn Hauptwege gut ausgeleuchtet sind.

Nicht nur körperliche Behinderungen, auch Angst kann die Bewegungsfreiheit einschränken. Indem Architekten geschickt planen, können sie Gefahrensituationen in Gebäuden und derem unmittelbaren Umfeld vermeiden. Dabei gilt es, das richtige Maß zu finden. Oft merken Menschen nur, wenn ein „zu wenig“ oder „zu viel“ an Sicherheit vorhanden ist. Wenn sie mit mulmigem Gefühl über schlecht beleuchtete Höfe hasten. Wenn hohe Zäune oder omnipräsente Überwachungskameras Beklemmungen auslösen.

Menschen fühlen sich in der Regel sicherer, wenn Eingangsbereiche, Wege, Innenhöfe und Parkplätze gut einsehbar und übersichtlich sind. Daneben sollten die Hauptwege und öffentlich zugängliche Flächen im Freien gut ausgeleuchtet und Fahrradständer, Bushaltestellen und Parkplätze ohne Umwege erreichbar sein. In der Regel sind Maßnahmen wie diese auch dazu geeignet, die Gefahr von Übergriffen durch andere Personen und Unfällen zu verringern.

Neben den Nutzern gilt es, das Gebäude selbst zu schützen. So können durch präventive Maßnahmen Einbrüche vermieden werden. Wenn Wohngebäuden mit Rollläden in den unteren Geschossen, Alarmanlagen oder einbruchhemmenden Türen und Fenstern ausgestattet werden, wird das bei der DGNB Zertifizierung positiv berücksichtigt.

Dies sind nur einige Beispiele dafür, dass es der DGNB ernst ist mit dem Anspruch, den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen. Wirklich nachhaltig ist ein Gebäude schließlich nur dann, wenn sich Menschen darin bewegen können, geschützt wissen und wohlfühlen.

(*dies gilt nicht für die Nutzungsprofile Neubau Logistik und Neubau Produktion)

1 Kommentare

  1. Hallo DGNB-Team.
    Wir sind begesietr von dem Statement: Ein Gebäude, das die Mindestanforderungen an die Barrierefreiheit nicht erfüllt, erhält kein Zertifikat*.

    Wir freuen uns, dass wir durch die Informationen im neuen Planungshandbuch, Seite 387 ff, ( siehe: https://www.rinn.net/oeffentlicher-raum/service-kontakt/produktkataloge.html ) Ihren Auditoren, den Investoren und deren Planer, Lösungen und ein klimaneutral hergestelltes Sortiment für den barrierefreien Freiraum bieten können. Produkte die dank Ihrer Unterstützung von Ihren Partnern auch im DGNB Navigator zu finden sind.

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