DGNB, DGNB System Version 2018
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Biodiversität, oder: Warum Bauherren mehr für die biologische Vielfalt tun können, als sie glauben

Spätestens seit das Ausmaß des Insektensterbens publik wurde, wissen wir, dass Biodiversität uns alle angeht. Die gute Nachricht für alle Bauschaffenden: Ein Gebäude kann viel zur Förderung der Artenvielfalt beitragen. Das beweist das Kriterium „Biodiversität am Standort“, das die DGNB in ihren 2018 überarbeiteten Kriterienkatalog aufgenommen hat.

Es muss einen guten Grund haben, wenn die DGNB ein Kriterium ganz neu in ihr Zertifizierungssystem integriert. Genau das ist bei der Version 2018 des DGNB Systems für Neubauten beim Thema Biodiversität der Fall. Mit dem neuen Kriterium möchten wir der Relevanz des Themas Rechnung tragen und Bauherren wie Planer dafür sensibilisieren, dass auch sie das Ganze etwas angeht. Mehr noch: Dass sie selbst einiges bewegen können. Daher möchte die DGNB Impulse setzen, positiv zum Aufbau, zum Erhalt oder zur Erweiterung der biologischen Vielfalt beizutragen. Direkt am Gebäude und an dessen anliegenden Außenflächen. Wir möchten zeigen: Bei baulichen Maßnahmen lässt sich die biologische Vielfalt vor Ort erhalten und gleichzeitig eine hohe Grünflächenqualität erzielen.

Schon Kleinigkeiten machen einen Unterschied und können die biologische Vielfalt unterstützen.

Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig. Großflächige Glasfassaden lassen sich so gestalten, dass Vögel sie rechtzeitig erkennen. Nistkästen lassen sich am Gebäude befestigen. Flächen können mit Holzpflaster statt Beton versiegelt werden. Dächer und Außenwände lassen sich begrünen. Werden durch das Bauvorhaben Biotope isoliert, können diese vernetzt werden, damit ein genetischer Austausch zwischen den Populationen möglich ist. All das belohnt die DGNB mit Punkten.

Höhere Wertigkeit der Immobilie

Nicht nur die Umwelt, auch die Gebäudenutzer und Besitzer profitieren von der Biodiversität. Menschen fühlen sich üblicherweise wohler, wenn sie sich in natürlicher Umgebung aufhalten. Wohlbefinden hat einen großen Einfluss auf die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Menschen. Des Weiteren dienen Pflanzen am und im Gebäude sowie der sorgsame Umgang mit der Tierwelt einem positiven Image des Gebäudes. Dies zeigt sich in einer höheren Wertigkeit der Immobilie. Zusätzlich kann die Entscheidung für Pflanzen, die zum Standort passen, Folgekosten reduzieren, da diese häufig robuster, weniger anfällig und weniger pflegeintensiv sind.

Invasive Pflanzen: Warum es besser ist, nichts anstatt das Falsche zu pflanzen

Was paradox klingt: Wer sich gegen eine Bepflanzung entscheidet, kann unter Umständen weniger Schaden anrichten, als jemand, der die falschen Pflanzen wählt. Invasive Pflanzen sind Sorten, die absichtlich oder unabsichtlich eingeführt wurden und heimische Arten verdrängen. Nur die Zerstörung von Lebensräumen richtet in Bezug auf die biologische Vielfalt weltweit mehr Schaden an. Die heimische Pflanzenvielfalt zu schützen heißt deshalb auch, invasive Sorten zu bekämpfen. Um eine Übersicht zu schaffen, hat die DGNB im Kriterium 36 Pflanzen aufgeführt, auf die teilweise oder ganz verzichtet werden soll.

UBi 2020 – Koalition für biologische Vielfalt

Nur gemeinsam lässt sich der als dramatisch eingeschätzte Rückgang der biologischen Vielfalt stoppen. Genau deshalb engagiert sich die DGNB im Rahmen der Plattform „Unternehmen Biologische Vielfalt 2020“ (UBi 2020). Das Netzwerk wurde vor fünf Jahren vom Bundesumweltministerium initiiert und will gegen den Verlust der biologischen Vielfalt vorgehen. Es bietet Akteuren aus Wirtschaft und Naturschutz ein gemeinsames Forum, um ihre Perspektiven einzubringen und zusammenzuführen sowie beispielhafte Aktivitäten anzuregen und sichtbar zu machen.

Das Ziel des Netzwerkes ist es, dass Biodiversität in allen Bereichen mitgedacht wird. Auch im Bausektor. Mit der Aufnahme des Kriteriums in ihr Zertifizierungssystem hat die DGNB hier einen ersten wichtigen Schritt gemacht.

Kategorie: DGNB, DGNB System Version 2018

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Dr. Anna Braune

Anna Braune studierte Technischer Umweltschutz an der Technischen Universität Berlin und schrieb ihre Diplomarbeit über Ökobilanzen von Abwasseranlagen in Zusammenarbeit mit der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (Schweiz). Sie arbeitete für verschiedene Beratungsunternehmen im Bereich Nachhaltigkeit und Gebäudetechnik. Von 2004 bis 2007 war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Stuttgart, am Lehrstuhl für Bauphysik, Abteilung Ganzheitliche Bilanzierung, tätig. Sie war Initiatorin und bis Ende 2008 die Gründungs-Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Danach arbeitete sie beim Nachhaltigkeits-Beratungs- und Softwareunternehmen PE International, umbenannt seit 2014 in thinkstep. Als Principal Consultant war sie verantwortlich für das Team “Nachhaltiges Bauen” des Beratungsbereichs. Seit September 2015 arbeitet Anna Braune wieder für die DGNB, als Leiterin Forschung und Entwicklung.

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