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Kommentar zur COP27

Nichts Neues vom Klimawanderzirkus: ein Kommentar zur COP27

Zum 27. Mal traf sich jüngst die versammelte Elite derer, die über das Klima verhandeln können/dürfen/müssen. Nach einigen deprimierenden COP-Erfahrungen in den vergangenen Jahren, habe ich mir meine Teilnahme in Ägypten gespart. Blickt man auf das Ergebnis, scheint dies die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Weiterlesen

Edge Suedkreuz Berlin

Herausragend2: Edge Suedkreuz in Berlin

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Diese alte Lebensweisheit hat sich für den Projektentwickler Edge bewahrheitet. Zu Beginn der Planung des Büroensembles „Edge Suedkreuz“ 2019 war die gewählte Holzhybridbauweise noch neu, Erfahrungen gab es wenig. Seit Oktober 2022 ist es nun amtlich: das Projekt erreicht den bislang höchsten Wert in der DGNB Zertifizierung. Erste Stimmen der Nutzerinnen und Nutzer bezeugen Zufriedenheit auf ganzer Linie. Das Wagnis hat sich gelohnt.

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Expo Real 2022 - DGNB Rückblick

Expo Real 2022: eine Branche auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Noch vor wenigen Jahren suchte man nach den Schlagworten Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Messe- und Konferenzprogramm der Internationalen Fachmesse für Immobilien und Investitionen nahezu vergeblich. 2022 ist dies anders. Drei Buchstaben – E, S und G – prangten an vielen Messeständen und deuten an, dass die Branche ihren Weg zu mehr Nachhaltigkeit sucht. Doch was steckt wirklich dahinter? Dieser und weiteren Branchenfragen ging die DGNB auf der Expo Real in Diskussionsrunden an ihrem Gemeinschaftsstand nach. Ein Rückblick.

Dass einige Vertreter der Branche den Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit bereits ambitioniert beschreiten, zeigt ein kurzer Blick auf die DGNB Auszeichnungsbilanz der Expo Real: Rund 50 DGNB Zertifikate wurden verliehen. Darunter das Projekt EDGE Südkreuz mit der höchsten Zertifizierungsbewertung in der Geschichte der DGNB (95,4%) inklusive eines DGNB Diamants. Darüberhinaus gab es die ersten beiden offiziellen QNG-Siegel für die Fertighaushersteller Hanse Haus und Bien-Zenker, mehrere ESG-Verifikationen zur EU-Taxonomie und eine neue DGNB anerkannte Dienstleistung.

ESG: Ein differenzierter Blick ist gefragt!

Doch auch abseits dieser Verleihungen war zu erkennen, dass sich immer mehr Akteure aktiv mit den Themen auseinandersetzen, insbesondere mit den Möglichkeiten und Anforderungen im ESG-Kontext. Doch wie weit ist die Entwicklung hier bereits? Unter dem Titel „Jenseits des Hypes: Wieviel Substanz steckt im ESG-Boom von heute?“ organisierte die DGNB im Rahmen der Expo Real ein Panel, um einen differenzierten Blick auf eben diese Frage zu werfen.

Interview mit Ursular Hartenberger zu den Themen ESG und EU TaxonomieWas bereits der kurze Eingangsvortrag von Ursula Hartenberger, Secretary General der Climate Positive Europe Alliance, zeigte: Das Thema hat in den vergangenen Jahren enorm an Relevanz zugenommen, wobei Risikomanagement laut einer CPEA-Umfrage ein treibender Faktor für das Engagement in diesem Bereich ist. Gleichzeitig zeigte eben diese Umfrage, dass die Herausforderungen vielfältig sind. Hartenberger benennt unter anderem den Mangel an verlässlichen Daten sowie einheitlichen Standards, regulatorische Inkonsistenz, die allgemeine Komplexität des Themas und mangelndes Wissen – um nur einige zu nennen. Darüber hinaus stellt sie fest, dass aktuell ein Großteil des Engagements auf E (Environment) entfällt. Nur wenige setzen sich bisher mit sozialen Themen auseinander. Noch weniger mit Governance-Themen oder dem Zusammenspiel der drei Bereiche.

Loslegen heißt das Credo

Doch bei allen (vermeindlichen) Hürden war die Runde positiv gestimmt. So apellierte Hartenberger, die aktuellen Entwicklungen als Chance zu sehen. Und Moderatorin und DGNB Vorstand Dr. Christine Lemaitre warf ein, das größte Risiko sei es, nicht zu handeln.

Mit Blick auf die Vertragsgestaltung bei Projekten betont Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht Dr. Florian Dressel (Kapellmann und Partner Rechtsanwälte) die Relevanz der Transparenz. Es gelte, das gemeinsame Verständis der Begrifflichkeiten im ESG-Kontext zu klären und festzuhalten.

Perspektivisch seien einheitliche Kriterien wichtig, um „ESG-Washing“ zu vermeiden, sowie eine länderübergreifend einheitliche Datenbasis, auf der das Reporting aufsetzen könne, so DGNB Vorstand Johannes Kreißig. Mit dem DGNB System für Gebäude im Betrieb biete die DGNB zudem ein Tool an, dass bereits heute bei der Umsetzung der ESG-Anforderungen untertützen kann.

Dieses komme auch bei PATRIZIA zum Einsatz, um Gebäude systematisch zu verbessern, so Asset Manager Konrad Hedemann (PATRIZIA). Er verweist zudem auf die ESG-Verfikation zur EU-Taxonomie, die seiner Einschätzung nach künftig an Bedeutung zunehmen werde.

  • Interview mit DGNB Vorstand Johannes Kreißig zum ESG-Boom auf der Expo Real

Am Rande der Expo Real haben wir ausführlich mit Expertinnen und Experten zum Thema ESG gesprochen.

Der Gebäuderessourcenpassen: ein wichtiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft

An Relevanz zunehmen, dürfte künftig auch das Thema des zweiten zentralen DGNB Panels auf der Expo Real: der im Koalitionsvertrag der Bundesregierung angekündigte Gebäuderessourcenpass. Die DGNB hatte hierzu im Juli einen Entwurf veröffentlicht und bis September 2022 zur Diskussion gestellt. Im Wesentlichen gehe es bei diesem Tool um die Inventarisierung von Materialien in Bauwerken, so Prof. Dr.-Ing. Patrick Teuffel (CIRCULAR STRUCTURAL DESIGN), der an der Entwicklung mit beteiligt war.

Neben Transparenz und einem gesteigerten bewussten Umgang mit Materialien, den ein solches Tool schafft, gingen mit einer breiten Nutzung noch eine Vielzahl weiterer Chancen einher, wie Dr. Anna Braune, DGNB Abteilungsleiterin Forschung und Entwicklung, im Interview aufzeigt:

  • Interview mit Dr. Anna Braune zum Gebäuderessourcenpass auf der Expo Real 2022

In ihren Interivews sprechen die Referentinnen und Referenten der Diskussionsrunde zum Gebäuderessourcenpass noch einmal vertieft über das entwickelte Tool.

Interview mit Bundesbauministerin Klara GeywitzUm den Stellenwert eines solchen Tools einordnen zu können, müsse man verstehen, „was wir für eine riesen Zeitenwende vor uns haben. Wir wollen ja einsteigen in die Kreislaufwirtschaft“, erläutert zudem Bundesbauministerin Klara Geywitz im DGNB Interview am Rande der Messe. Und Prof. Andrea Klinge (FHNW, ZRS Architekten) appelliert im Rahmen der Diskussion zum Gebäuderessourcenpass direkt an die Bauherren. Es sei eine Möglichkeit, zu bilanzieren, was zukünftig zur Verfügung stehe. Das Bauwerk sei ein Ressourcenlager, das man künftigen Generationen zur Verfügung stellt.

Wichtig ist Markus Müller (Architektenkammer Baden-Württemberg) bei alledem eine verlässliche Regulatorik. Man brauche Sicherheit und einen Rahmen, wie man Materialien weiterverwenden kann. Einem Praxistest wird das neue Tool von Thomas Kraubitz (Buro Happold) unterzogen, der den Gebäuderessourcenpass bereits bei ersten Projekten einsetzt.

Sie wollen mehr erfahren? Die DGNB hat am Rande der Expo Real noch mit einigen weiteren Akteurinnen und Akteuren der Branche vertieft gesprochen. Alle Interviews finden Sie hier.

Mehr zum zirkulären Bauen erfahren Sie darüber hinaus in diesem  Beitrag. Zu den Themen Sustainable Finance und ESG informiert die DGNB auf ihrer Website.

Im Fokus: Zirkuläres Bauen

Zirkuläres Bauen umsetzen

Der Ruf nach Zirkularität im Bauen wird immer lauter. Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene gibt es zahlreiche Bestrebungen, zirkuläres Bauen zu fördern. Denn die Ressourcen, die wir in unseren Gebäuden verbauen, sind zu wertvoll und zu energie- und CO2-intensiv produziert, als dass wir sie verschwenden oder gar wegwerfen könnten. Doch was ist unter dem Begriff des zirkulären Bauens genau zu verstehen? Und wie gelingt es ganz praktisch, zirkuläre Strategien im Projekt umzusetzen? Weiterlesen

Taxonomie_Verifikation_ESG_DGNB

Von Level(s) bis Taxonomie – So viel EU steckt im DGNB System

Die Taxonomie und das Rahmenwerk Level(s) sollen den oft schwammigen Begriff der Nachhaltigkeit europaweit nachvollziehbar machen – gerade in Bezug auf nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten sowie die Bau- und Immobilienbranche. Die DGNB hat sich bereits frühzeitig darauf eingestellt und berücksichtigt die Nachhaltigkeitsziele der EU. Doch wie europäisch ist das DGNB System eigentlich genau?

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Eine Woche im Zeichen des nachhaltigen Bauens

Schon traditionell findet im September die World Green Building Week statt. Dabei handelt es sich um eine Aktionswoche, in der weltweit Veranstaltungen aller Art stattfinden, die alle eines zum Ziel haben: über die Chancen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Bauweise zu informieren und dafür zu begeistern. Das gilt auch für die Angebote der DGNB, die sich erstmals über fünf Tage erstrecken.

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DGNB ESG-Manager

DGNB ESG-Manager: Experten für nachhaltiges, ESG-konformes Immobilienmanagement

Die Nachfrage nach Expertinnen und Experten, die Bestandsgebäude nach Nachhaltigkeitsaspekten bewerten können und diese in die Klimaneutralität führen, ist enorm gewachsen. Spätestens durch externe, teils regulatorische Treiber sowie damit verbundene Risiken. Warum braucht es mehr Fachkräfte, die sich mit dem Thema auseinandersetzen? Warum lohnt es sich das entsprechende Wissen jetzt aufzubauen? Und wie wird man zum Experten oder zur Expertin für nachhaltiges, ESG-konformes Immobilienmanagement?

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Zertifizierung sichtbar machen

Plane, baue und betreibe nachhaltig – und sprich darüber!

Wer nachhaltig plant, baut und betreibt, trägt einen wichtigen Teil zu einer zukunftsfähigen gebauten Umwelt bei. Viele Bauherren, Entwicklerinnen und Entwickler sowie Betreiberinnen und Betreiber kommunizieren dieses Engagement aktiv. Und das ist gut so. Denn wer zeigt, was nachhaltig möglich ist, leistet einen Beitrag für die Entwicklung der gesamten Branche. Lassen Sie uns erklären, warum – und wie Sie Ihre DGNB Zertifizierung sichtbar machen können. Weiterlesen

DGNB Felix Jansen

Der Unterschied zwischen Floskeln und ehrlichem Engagement

Achtung: Das hier ist kein normaler, formal korrekter Blogbeitrag, der zum Abschluss noch suchmaschinenoptimiert wurde, um mehr Reichweite zu erzielen. Der Text ist vielmehr Ergebnis eines Ärgerns. Ein „Das musste einfach mal raus“-Post. Entstanden mitten in der Nacht. Schlecht geträumt, wach geworden, blöderweise aufs Handy geschaut und als LinkedIn-Pushnachricht einen Kommentar gelesen, der mich nicht losgelassen hat. Nur um dann den eigenen Blog zu kapern. Weiterlesen

Jahrestreffen Phase Nachhaltigkeit

Phase Nachhaltigkeit: Neues aus der Initiative

Nach zwei Jahren coronabedingter Pause konnte das Jahrestreffen der Initiative „Phase Nachhaltigkeit“ am 25. Mai 2022 endlich wieder stattfinden. Sowohl am Bildschirm als auch vor Ort, im Haus der Architektinnen und Architekten in Stuttgart kamen die Unterzeichner der Initiative – Architekten, Fachplaner und ganz neu Tragwerksplaner – zusammen. Im Fokus stand ein bunter Strauß an Neuigkeiten mit deren Hilfe das nachhaltige Bauen in der eigenen Planungspraxis fest verankert werden soll.

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Report DGNB Zertifizierungen 2021

2021 erneut Rekordjahr für die DGNB Zertifizierung

Heute veröffentlichte die DGNB ihren Report zur DGNB Zertifizierung und lässt damit das vergangene Geschäftsjahr Revue passieren. Der Marktreport präsentiert die zentralen Kennzahlen aus 2021 und eine Auswahl von Projekten, die die DGNB Zertifizierung im letzten Jahr erfolgreich abschließen konnten. Zudem behandelt er Themen, die die Bau- und Immobilienbranche besonders beschäftigten. Ein Einblick.

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Rudolphi Samsoe Sattler

15 Jahre DGNB: Vom Aufbruch zum neuen Normal

Vor 15 Jahren wurde die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen gegründet. Aus einer kleinen Zahl an Weltveränderern wurde bis heute Europas größtes Netzwerk für nachhaltiges Bauen. Einer der Wegbereiter und langjähriger Präsident des Vereins ist Prof. Alexander Rudolphi. Seit 2020 steht Architekt Prof. Amandus Samsøe Sattler dem Präsidium vor. Anlässlich des Jubiläums haben wir mit beiden gesprochen. Weiterlesen

Perspektivwechsel Anja Rosen Dominik Campanella Sustainability Challenge

Perspektivwechsel: Vom Gewinner zum Jurymitglied

2021 waren die diesjährigen Jurymitglieder Dominik Campanella (2. v. l.) und Prof. Dr. Anja Rosen (2. v. r.) selbst Teilnehmende der DGNB Sustainability Challenge. Neben ihren Eindrücken zu den diesjährigen Einreichungen wollten wir von den beiden auch erfahren, was sich in den vergangenen Monaten bei ihren eigenen Projekten getan hat und welche Tipps sie für die Finalisten haben.

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#BuildingLife: der Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand in Europa

#BuildingLife: der Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand in Europa

Das World Green Building Council stellt heute im Rahmen des Projekts #BuildingLife einen Vorschlag eines neuen politischen Plans für die Europäische Union vor. Er soll die Fortschritte bei der Dekarbonisierung des Gebäude- und Bausektors beschleunigen. Am Projekt beteiligt ist auch die DGNB. Der Verein entwickelt aktuell einen Wegweiser und Klimaschutz-Maßnahmenprogramme für verschiedene Akteursgruppen der Branche, die auf nationaler Ebene Anwendung finden sollen.

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LIFE Level(s)

LIFE Level(s) – Nachhaltigkeit EU-weit nachvollziehbar machen

Nachhaltigkeit voranzutreiben – auch im Bauwesen – ist selbsterklärtes Ziel der Europäischen Union. 2019 startete deshalb mit LIFE Level(s) ein Projekt, um Sensibilität für das Thema sowohl bei einer interessierten Öffentlichkeit, als auch in den am Bau von Gebäuden beteiligten Akteursgruppen zu schaffen. Aus den Erkenntnissen des bis Ende 2022 angesetzten Projekts sind bereits einige Tools und Publikationen für die Praxis hervorgegangen. Grund genug, eine Zwischenbilanz zu ziehen.

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Evangelische Bank Kassel

Nachhaltig verbunden: Evangelische Bank in Kassel

Bauen im Bestand ist für Architekten eine ebenso reiz- wie anspruchsvolle Aufgabe. Neben den technischen Unwägbarkeiten gilt es, das Vorgefundene in Einklang mit dem eigenen Entwurfsansatz zu bringen. In Kassel hat das Büro Reichel Architekten PartGmbB die Bestandsgebäude der Evangelischen Bank nicht nur gestalterisch, sondern auch energetisch in die heutige Zeit transportiert.

Gerade beim Thema Nachhaltigkeit spielt der Gebäudebestand eine wichtige Rolle. Ganz abgesehen von der Identitätsbildung eines Ortes, zu der historische Bauten der Gründerzeit ebenso beitragen wie die Bauten der Nachkriegsmoderne, birgt der Bestandserhalt ein enormes Einsparpotential an nicht sichtbaren, sogenannten grauen Energien. Es gilt also, das Vorhandene verantwortungsvoll zu sanieren und bei Bedarf einer neuen Nutzung zuzuführen. Wie das gelingen kann, zeigt die Neuordnung der Evangelischen Bank am Rande der Kasseler Innenstadt. Hier haben Architekt Prof. Alexander Reichel und sein Team zwei in die Jahre gekommene Immobilien zu einer Einheit zusammengefasst und in den innerstädtischen Kontext eingebunden.

  • Evangelische Bank Kassel
    Der energetisch sanierte Hauptsitz der Evangelischen Bank in Kassel ...

Bauherr, Architekt und Fachplaner auf einer Wellenlänge

2016 waren Reichel Architekten als Gewinner aus dem Wettbewerb hervorgegangen. Nun galt es, die beiden Bürogebäude umfassend zu sanieren: Das, im Zuge des Wiederaufbaus 1949 errichtete und in den 1970er Jahren aufgestockte, unter Denkmalschutz stehende Haus am Ständeplatz und den 1981 fertig gestellten Erweiterungsbau nebenan. Die ohne Bezug zueinanderstehenden Bauten bildeten auch im Stadtraum keine nennenswerte Qualität. Entstehen sollte ein in sich verbundener, prägnanter Gebäudekomplex der Mitarbeiter, Kunden und Besucher gleichermaßen empfängt, Tradition mit Innovation verbindet und die Identität der Bank widerspiegelt. Der nachhaltige Umgang mit dem Bestand war von Anfang an gesetzt. Zertifiziert nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS hat sich die Evangelische Bank dem Thema in allen Bereichen der Unternehmensführung verschrieben.

„In unserem Büro beschäftigen wir uns seit über 20 Jahren mit dem Bestand und konnten dabei Projekte aller Größenkategorien realisieren. Die Unvorhersehbarkeiten dieser besonderen Bauaufgabe erfordern von allen Beteiligten ein hohes Maß an Flexibilität. Diese Herausforderung nehme ich immer wieder gerne an“, so Alexander Reichel zu seiner Intention. Zum Thema nachhaltiges Bauen und Entwerfen lehrt er als Professor seit 2010 an der Hochschule Darmstadt.

Eine weitere Qualitätssicherung in puncto Nachhaltigkeit stellte das bereits im Wettbewerb involvierte Beratungs- und Architekturbüro ina Planungsgesellschaft aus Darmstadt dar. Im Projektverlauf entschied der Bauherr, das Projekt DGNB-zertifizieren zu lassen. Joost Hartwig, Geschäftsführer der ina Planungsgesellschaft und seine Kollegin Isabell Passig begleiteten den Zertifizierungsprozess als DGNB Auditoren. DGNB Gold steht nun auf der Urkunde.

Seine Haltung zum Thema Bauen im Bestand fasst Hartwig wie folgt zusammen: „Die Weiternutzung der vorhandenen Bausubstanz in zeitgemäßer Gestaltung ist im besten Sinne nachhaltig. Allein die Wiederverwendung der Rohbaukonstruktion birgt eine enorme Einsparung an CO2-Emissionen gegenüber einem gleichgroßen Neubau. Diese konnte bei der Bank in der Ökobilanz für die DGNB Zertifizierung positiv berücksichtigt werden.“

  • Evangelische Bank Kassel
    Neuordnung Evangelische Bank Kassel

Neuordnung und Erweiterung des Vorgefundenen

Das sechsgeschossige Haupthaus am Ständeplatz wurde denkmalgerecht saniert. Der Erweiterungsbau hingegen nach eingehender Bestandsaufnahme bis auf das Betonskelett, drei Untergeschosse einschließlich der bestehenden natürlichen Lüftung und die Treppenhauskerne rückgebaut. Als Zeitzeugen blieben die Treppenhäuser samt ihrer Materialität im Original erhalten. Die errechnete Einsparung an grauen Energien beträgt 2.000 Tonnen CO2 im Vergleich zum kompletten Neubau. Eine große Zahl, wenn man bedenkt, dass 75.000 Birken im Jahr 1.000 Tonnen CO2 binden können.

  • Evangelische Bank Kassel
    Lageplan Neuordnung Evangelische Bank Kassel

Zur Erweiterung der Flächen und der gleichzeitigen Ausbildung des Stadtraums, wurde ein ausgemauertes Stahlbetonskelett als neue Hülle mit rund fünf Metern Versatz um die Bestandsstruktur herum gelegt. Die helle Kalksteinfassade stellt eine optische Verbindung zum Haupthaus her und fasst die Neuordnung als Ensemble zusammen. Im Inneren ist viel Raum für eine flexible Bespielung der Grundrisse entstanden, die neben einer agilen Arbeitsweise bei Bedarf Nutzungsänderungen zulässt. Dank eines hochwärmedämmenden Mauerwerks konnten die Büroflächen mit geringem Technikaufwand konditioniert werden. Solide Materialien wie Beton, Naturstein und Holz vermitteln Natürlichkeit und runden das Konzept ab. In der Erdgeschosszone binden Gastronomie und Einzelhandel den Komplex in den öffentlichen Raum ein.

Evangelische Kirche Kassel

Die Glasfuge verbindet heute die Bestandsbauten und ist zentraler Treffpunkt für die rund 350 Mitarbeiter der Bank. © Constantin Meyer

Die neue, gläserne Eingangshalle verbindet als Herzstück der Neuordnung beide Gebäude miteinander und vollendet die städtebauliche Figur. Neben Ankunft und Orientierung bietet die dreigeschossige Halle auch einen Ort für Veranstaltungen. Der als Holzkonstruktion eingestellte „Raum der Stille“ mit seiner transluzenten Hülle bildet einen Bezug zu den Wurzeln der Bank.

Evangelische Bank Kassel

Der „Raum der Stille“ in der Eingangshalle. © Constantin Meyer

Intelligente Lösungen und Durchhaltevermögen

Evangelische Bank Kassel

© Constantin Meyer

Eine der Herausforderungen beim Bauen im Bestand besteht darin, Lösungen im Einklang mit aktuellen Normen zu finden. Schließlich muss die neue Planung dem Vorgefundenen folgen. Im Falle der Bank stellten notwendige Technikleitungen ein Problem dar. Das gängige Modell, diese unter einer abgehängten Decke zu führen, hätte die lichte Deckenhöhe auf weniger als 2,20 Meter reduziert, was nicht zulässig ist. Spätestens jetzt würden viele für den Abriss plädieren. Nicht so in Kassel. Hier entschied man sich, einen Großteil der notwendigen technischen Infrastruktur in die Wände zu integrieren. So konnte die lichte Deckenhöhe von rund 2,75 Meter erhalten bleiben. Gleichzeitig ist die Wandinstallation rückbaubar, wodurch abermals eine flexible Nutzung der Räume gewährt ist. Und noch ein Problem lösten die Architekten: Im Gegensatz zum Neubau weicht das Rastermaß beim Bestand meist stark voneinander ab. Die Wandverkleidung entlang der Außenfassade kaschiert das und erzeugt ein gleichmäßiges Bild im Innenraum.

Die frei gewordenen Betondecken werden als passive Speichermasse genutzt. Eine, auch für die Zertifizierung notwendige, dynamisch technische Simulation half bei der Entwicklung der Lüftungstechnik. Raumluft und Temperierung der Flächen werden über Einzellüfter in der Außenfassade gesteuert. In der Umkehrung tragen die Geräte kombiniert mit der Speichermasse zur Nachtauskühlung des Gebäudes bei.

In Zusammenarbeit mit einem Leuchtenhersteller wurden Sonderleuchten entwickelt. Licht- und Schallschutzbaffeln strukturieren den offenen Grundriss, sorgen für ausreichend Licht und eine angenehme Raumakustik. Aus der Herausforderung heraus ist ein neues, innovatives Produkt entstanden.

  • Evangelische Bank Kassel
    Die Licht- und Schallschutzbaffeln an der Decke wurden als Sonderlösung entwickelt. © Constantin Meyer
Dr. Christine Lemaitre

Uns geht die Zeit aus – warum die BEG-Neubauförderung richtig ist

Seit Tagen muss man auf allen Kanälen diverse Aufschreie, Ermahnungen und Sorgen rund um die Anpassung der BEG-Förderung von Neubauten ertragen. Die Kritik zur Neuregelung, dass Fördergelder nur noch unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten zu bekommen sind, ist ebenso vielfältig wie die Themen des nachhaltigen Bauens. Die Haltung, mit der dies erfolgt, möchten wir nicht mehr unkommentiert stehen lassen.

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