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ESG - nur alter Wein in neuen Schläuchen?

ESG – nur alter Wein in neuen Schläuchen?

Ein kurzes Akronym hat die Immobilienwirtschaft seit dem vergangenen Jahr ordentlich aufgewühlt. Im Kontext von Sustainable Finance und der EU-Taxonomie wird ESG, kurz für Environmental Social Governance (zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung), seither viel diskutiert. Mit ihr soll evaluiert werden, wie gewissenhaft Unternehmen mit ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung umgehen. Beim DGNB Jahreskongress diskutierten Expertinnen und Experten zum Thema. Was ist aktuell noch heiße Luft? Und mit welchen Faktoren sollte man sich jetzt schon auseinandersetzen? Weiterlesen

Materialwahl

Die Suche nach dem passenden Material – ein Dialog mit Herstellern

Materialien spielen bei jedem Gebäude gestalterisch wie funktional eine tragende Rolle. Ihnen gilt bei jedem Projekt ein besonderes Augenmerk. Im Zuge des nachhaltigen Bauens müssen darüber hinaus ganz unterschiedliche Nachhaltigkeitsaspekte beachtet werden. Das erschwert den Entscheidungsprozess zusehends. Johannes Kreißig, Geschäftsführender Vorstand DGNB, hat im Rahmen des DGNB Jahreskongress 2022 zusammen mit Planern und Herstellern nach Lösungen gesucht.

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Klimaresilienz_Header_klein

Klimaresilienz – ein unterschätzter Bauaspekt

Am 28. Februar wurde der aktuelle Bericht des Weltklimarats IPCC veröffentlicht. Er beschreibt den Klimawandel, seine Folgen und fordert dringendes Handeln. Neben der Bedeutung von Klimaschutz stellt er auch die Notwendigkeit heraus, Klimaresilienz bei Maßnahmen zu berücksichtigen. Mit einem eigenen Kapitel zu Städten, Siedlungen und Infrastruktur wird auch der Bausektor in die Verantwortung genommen. Aber welche Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz von Gebäuden und Flächen sind eigentlich vielversprechend?

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Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG): Wie geht's weiter?

Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG): Wie geht‘s weiter?

Nach dem vorläufigen Förderstopp der BEG Ende Januar 2022 wurde zumindest die Förderung für die Sanierung zum Effizienzgebäude seit dem 21. Februar wieder aufgenommen. Weitere Fördermittel sollen von der Bundesregierung für das Jahr 2022 zur Verfügung gestellt werden. Was lief bisher gut? Was könnten BEG und zukünftige Nachhaltigkeitsförderungen besser machen? Und wie geht es jetzt weiter? Im Rahmen des DGNB Jahreskongress diskutierten ausgewählte Experten zum Thema.

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DGNB Jahreskongress 2022 am 23. und 24. Februar

Nachhaltiges Bauen und DGNB im 2-Tage-Intensivprogramm

Was wurden in den letzten Monaten alles für Diskussionen rund um das weite Themenfeld des nachhaltigen Bauens angestoßen oder vertieft?! Wir bei der DGNB finden: Es ist Zeit, dies alles einmal zu ordnen und genauer hinzuschauen, wo wir denn jeweils stehen. Das Format dafür: der digitale DGNB Jahreskongress am 23. und 24. Februar 2022.

Bevor wir gemeinsam in das breite Programm eintauchen, eine Bemerkung vorweg: Jede und jeder soll aus den zwei Tagen genau das für sich mitnehmen, was man will. Das können zwei Tage Vollprogramm sein: Mit unseren acht Impulsgebenden, den acht Diskussionsrunden in unseren Themenräumen und dem 1:1-Matchmaking mit anderen Teilnehmenden. Aber auch wenn Sie sich nur für einen oder wenige der Angebote interessieren, freuen wir uns über Ihre Teilnahme. Spaß und Inspiration stehen im Vordergrund. Und das alles kostenlos und unverbindlich.

Aber genug der Vorrede: Was wird denn genau geboten beim DGNB Jahreskongress? Fangen wir an mit unseren Themenräumen.

Von A wie Architektur bis Z wie zirkuläres Bauen

Der ESG-Hype hier, das x-te Klimaschutz-Commitment da, eine Bundesförderung in der Sackgasse und noch viel mehr. Sie haben den Überblick verloren, was denn nun wirklich wichtig ist an all diesen Debatten? Was daran relevant ist und was heiße Luft? Dann möchten wir Sie ein wenig unterstützen. In unserem digitalen DGNB Jahreskongress geben wir in acht Themenräumen jeweils eine Momentaufnahme – mit viel Hintergrundwissen und durchaus kritischen Perspektiven.

Hier die Übersicht über die angebotenen Themenräume:

  • Sustainable Building in Europe (23. Februar, ab 11:30 Uhr | in englischer Sprache, u.a. mit Mette Qvist, CEO Green Building Council Denmark)
  • Richtig resilient? Wie Klimaanpassung im Kontext Bauen gelingt (23. Februar, ab 12:15 Uhr | u.a. mit Jan Kohlmeyer, Leiter Stabsstelle Klimaschutz der Landeshauptstadt Stuttgart)
  • Nachhaltigkeit by Design? Wo steht die Branche auf dem Weg zur Circular Economy (23. Februar, ab 14:00 Uhr | u.a. mit Martin Pauli, Associate Director / Europe Foresight Leader bei Arup)
  • Hype oder Hoffnung? Ein nüchterner Blick auf die ESG-Debatte (23. Februar, ab 15:45 Uhr | u.a. mit Susanne Eickermann-Riepe, Vorstandsvorsitzende von RICS Deutschland)
  • BEG, ohje? Die neue Bundesförderung im Praxischeck (24. Februar, ab 11:30 Uhr | u.a. mit Mathias Oliva y Hausmann, Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen)
  • Must-have oder Nice-to-have? Die neue Rolle von Biodiversität im Bauen (24. Februar, ab 12:15 Uhr | u.a. mit Marion Hammerl, Geschäftsführerin der Bodensee-Stiftung)
  • Lippenbekenntnis oder Leitlinie? Die neue Commitment-Kultur in Sachen Klimaneutralität (24. Februar, ab 14:00 Uhr | u.a. mit Hilmar von Lojewski, Beigeordneter des Deutschen Städtetages)
  • Materialwahl leicht gemacht? Wie Planende das richtige Bauprodukt finden (24. Februar, ab 15:45 Uhr | u.a. mit Antonino Vultaggio, Senior Partner bei HPP Architekten)

Acht Menschen, die etwas zu sagen haben

Ebenfalls in die fachliche Tiefe geht es bei unseren acht Impulsgebenden. Statt Diskussion geht es dabei primär um Inspiration. Von acht namhaften Expertinnen und Experten gibt es jeweils halbstündige Impulse. Den Start macht am 24. Februar um 10 Uhr die neue Präsidentin des Architects‘ Council of Europe Ruth Schagemann. Boris Kochan, der Präsident des Deutschen Designtags, wirft ab 13 Uhr den Blick auf die besondere Rolle der Disziplin „Design“ und hält ein Plädoyer für Interdisziplinarität, Partizipation und Ganzheitlichkeit.

Um 14:45 Uhr ist Prof. Eike Roswag-Klinge vom Natural Building Lab der Technischen Universität Berlin an der Reihe. Er beschäftigt sich mit dem Bauen in planetaren Grenzen und der Frage, was es braucht, um ein angemessenes menschliches und generelles Leben auf der Erde zu ermöglichen. Ab 16:30 Uhr schließlich widmet sich DGNB Präsident und Architekt Prof. Amandus Samsøe Sattler in seinem Impuls dem Thema „Fertig ist nur der Anfang – Ein zirkulär ästhetischer Diskurs“.

Impulse an Tag 2 des DGNB Jahreskongresses

Mit dem frisch ernannten Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesumweltministerium Chris Kühn startet um 10 Uhr der zweite Kongresstag. Mit ihm sprechen wir über die Relevanz von Gebäudeaspekten in der neuen Regierung und die Frage, wie das Zusammenspiel der verschiedenen Ministerien bei den Querschnittsthemen Klimaschutz und Nachhaltigkeit funktionieren kann. Um 13 Uhr liefert Dr. Philipp Bouteiller vom Tegel Projekt Einblicke, wie sich in der Planung Räume für Zukunft schaffen lassen, anstatt Zukunft zu verhindern.

Lars Ostenfeld Riemann, Executive Director von Ramboll Buildings, stellt ab 14:45 Uhr das Prinzip des Regenerative Design vor, das über die Idee des grünen oder nachhaltigen Bauens hinausgeht. Den Abschluss macht ab 16:30 Uhr ein Impuls der indischen Architektin Anupama Kundoo, die kürzlich mit dem Building Sense Now Global Award ausgezeichnet wurde. Sie stellt ihren Beitrag unter das Motto „Rethinking Urban Materiality: Time as a Resource“.

Im Anschluss an die jeweiligen Impulse gibt es übrigens die Möglichkeit, in einem eigens angelegten Backstage-Bereich mit den Expertinnen und Experten direkt in den Dialog zu treten und die Gedanken aus den Beiträgen gemeinsam zu diskutieren.

Veranstaltungsplattform bietet Raum für Matchmaking

Der DGNB Jahreskongress findet auf einer eigens dafür programmierten Veranstaltungsplattform statt. Wie man diese optimal nutzen kann, lässt sich in folgendem Kurzvideo besser verstehen.

Kurzvideo zur Nutzung der Eventplattform beim DGNB Jahreskongress 2022

Neben den vorgestellten Beiträgen gibt es beim Kongress auch ausreichend Gelegenheit, in den direkten Austausch mit anderen Teilnehmenden zu gehen. Allen, die sich überraschen lassen wollen und unvoreingenommen andere Personen kennenlernen möchten, haben wir dazu einen Zufalls-Match eingerichtet. Bei weit über 1.000 Anmeldungen sind dabei sicher auch einige spannende Menschen dabei. Also seien Sie neugierig und lassen Sie sich darauf ein!

Ansonsten kann man auch ganz gezielt nach Kontakten aus bestimmten Branchen oder mit gleichen thematischen Interessen suchen. Hierfür gibt es einen eigenen Messaging-Bereich. Sie können mit den für Sie interessanten Personen sowohl chatten als auch per Video über die Plattform direkt sprechen.

Wie auch immer Sie den DGNB Jahreskongress 2022 für sich nutzen wollen: Wir freuen uns auf zwei spannende Tage mit Ihnen! Und für alle, die es noch nicht wussten: Die Teilnahme ist kostenlos und Fortbildungspunkte der Architektenkammer gibt es auch noch für alle, die diese benötigen.

DER SPIEGEL: Cover der Ausgabe 05/2022

Unschöner Populismus: Kommentar zum SPIEGEL-Titel „Teurer Wohnen“

Die Titelstory der SPIEGEL-Ausgabe vom 29. Januar 2022 ist ein Hingucker der fragwürdigen Art. Visuell und textlich werden dabei Stereotype bedient, damit Ängste geschürt und negative Zukunftsbilder zementiert. Das ist mit Blick auf die Klimaschutzherausforderungen im Bauen in hohem Maße kontraproduktiv. Und es verdeutlicht die außerordentliche Verantwortung, die Publizierende bei dem Thema heute haben.

Ein Einfamilienhaus vollgepflastert mit Photovoltaik-Modulen. Drei Windräder auf dem Dach. Dazu einige weitere Features, die dafür sorgen, dass vom Haus selbst kaum mehr etwas zu sehen ist. Was der SPIEGEL seinen Leserinnen und Lesern auf dem Cover anbietet, ist ein maßlos überzeichnetes Szenario eines Gebäudes, das scheinbar dem Klimaschutz dient. Es wird vermittelt: So kurios und unschön sehen klimafreundliche Häuser von morgen aus.

Und als wäre das nicht genug, benutzen die Magazinmacher die Überschrift „Teurer Wohnen“, ergänzt um die nicht minder populistische Unterzeile „Kostenfalle Klimaschutz: Was auf Mieter und Eigentümer zukommt“. Nicht als Frage oder Konjunktiv formuliert. Sondern als faktische Kausalkette: Das Wohnen wird noch teurer, Schuld hat der Klimaschutz, das wird so kommen, Punkt. Schließlich sagt das ja der SPIEGEL.

Einseitige Überspitzung als Futter für Skeptiker

Als Non-Profit-Organisation, die sich für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz einsetzt, lässt einen das ziemlich sprachlos zurück. Zumal die dazugehörigen Artikel der Titelstory diesen Populismus nicht mal vollständig unterfüttern. Für die Auflage mag das gut sein. Im Wissen um die Macht der Bilder und die Herausforderungen, vor denen nicht nur die Branche, sondern wir als Gesellschaft stehen, ist das aber mindestens mal fahrlässig. Weil es denen, die sich in der Bau- und Immobilienwirtschaft um das nachhaltige Bauen seit langem erfolgreich drücken, weiter Futter zum Nichtstun gibt.

Statt Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen und Positivbeispiele nach vorne zu stellen, werden solche Bauprojekte thematisiert, bei denen etwas nicht funktioniert hat. Es wird ein Ist-Zustand der Branche präsentiert, der mehr als düster ausfällt. Natürlich ist nicht alles toll. Aber es ist auch nicht alles schlecht. Zudem wird zwischen den Zeilen vermittelt, dass dieser Ist-Zustand etwas Unveränderliches ist. Eine Zukunft, die feststeht. Chance auf Besserung oder Prinzip Hoffnung? Nicht im Bauen.

Dabei ergeben sich durch Nachhaltigkeit und Klimaschutz viele neue Möglichkeiten. Geschäftsfelder, die viele Unternehmen bereits adressiert haben und Lösungen anbieten. Und das ist nicht nur der auch hier wieder zitierte Energiesprong. Rund um diesen ist es offenbar gelungen, erfolgreich Lobbyarbeit zu machen, so prominent, wie dieser an vielen Stellen auftaucht. Es ist ein guter Ansatz, ja. Aber eben auch nur einer von vielen, von denen zahlreiche ihre Berechtigung haben, die vielversprechend sind und Mut machen.

Wenn eine Koryphäe wie Prof. Hans Joachim Schellnhuber 30 Jahre benötigt, um zu erkennen, dass das Bauen der „Elefant im Klimaraum“ ist, wie soll denn die durchschnittliche Leserschaft des SPIEGELs hier auch nur im Ansatz zu einer differenzierten Meinung bei dem Titel kommen? Dass in dieser durch die Kostendebatte aufgeladenen Titelstory dann ausgerechnet das Thema Materialpässe einen solch großen Raum mit einer eigenen Seite bekommt, ist zudem paradox. So richtig und wichtig das Thema ist: Hier wird im Artikel das Kostenthema komplett ausgespart?! Hier gibt es nicht die Nachfrage, wer diese Materialpässe heute erstellen kann und welche Aufwände damit verbunden sind.

Appell an alle Medienschaffenden

Alles in allem ist dieser Kommentar als Appell an alle Journalisten zu verstehen, die sich Nachhaltigkeits- und Klimaschutzthemen im Bauen widmen. Ein Appell dafür, sich ihrer außerordentlichen Verantwortung bewusst zu sein. Sie können mit ganz wenig, ganz viel manifestieren – im Guten, aber leider vor allem auch im Schlechten. In diesem Fall wurde eben wieder einmal in die bequeme Klischeekiste gegriffen.

Klimapositiv betrieben: das Rathaus im Stühlinger in Freiburg | © DGNB

Hätte ein gutes Cover für die SPIEGEL-Ausgabe abgegeben: das klimapositiv betriebene Rathaus im Stühlinger in Freiburg | © DGNB

Zum Glück gilt dieser Beitrag ja nicht für alle Publizierenden. An anderer Stelle gibt es ja auch tolle Entwicklungen. Immer mehr Medien nehmen sich vor, viel mehr Positivberichterstattung zu betreiben. Nicht mit rosaroter bzw. grüner Brille, aber eben auch nicht schwarzmalerisch.

Auch hier wäre das möglich gewesen. So hätte der SPIEGEL auch das Rathaus im Stühlinger aus Freiburg auf die Titelseite bringen können. Ein bereits vor elf Jahren geplantes öffentliches Gebäude, das heute klimapositiv betrieben wird. Das beispielhaft zeigt, dass die Erzeugung von erneuerbaren Energien auch architektonisch wertvoll sein kann. Und mindestens genauso wichtig: Das von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Freiburg gleichermaßen gerne genutzt wird wie von den Bürgerinnen und Bürgern.

Stattdessen fiel die Wahl auf Überzeichnung, Einseitigkeit und Populismus. Was bleibt ist die kürzeste aller Fragen: Warum?

Globaler Wissensaustausch zum klimagerechten Bauen

Wissen aus aller Welt: Master Classes für klimagerechtes Bauen

Am 22. Juli 2021 gaben Dr. Christine Lemaitre (Geschäftsführender Vorstand, DGNB) und Prashant Kapoor (Chief Industry Specialist, IFC Climate Business Group, World Bank Group) den Startschuss für die kostenfreien Master Classes der Initiative Building Sense Now und MISEREOR. Seitdem nahmen Personen aus 47 Ländern am globalen Wissensaustausch zum klimagerechten Bauen teil. Alle vergangenen Veranstaltungen sind online verfügbar. Im Januar und Februar finden noch zwei Master Classes statt, weitere sind in Planung.

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Feuerwehr Caldern

Das erste seiner Art: Feuerwehrhaus Caldern erreicht DGNB Gold

Die Freiwillige Feuerwehr übernimmt hierzulande eine tragende Rolle bei der Bekämpfung von Feuer, Hochwasser und sonstigen Katastrophen. Im hessischen Caldern wurde unlängst eine neue Wirkungsstätte für diese besondere Gemeinschaft errichtet. Bei eingehendem Notruf rücken die Feuerwehrfrauen und -männer nun aus einem nachhaltig errichteten Gebäude mit DGNB Zertifikat in Gold aus. Wohlgemerkt durchlief das Projekt als erste Feuerwehr in der Geschichte der DGNB den Zertifizierungsprozess.

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DGNB Weihnachtsimpuls

Ein kleiner Weihnachtsimpuls von der DGNB

Das Jahr 2021 – das war schon ein bemerkenswertes. Umweltkatastrophen, die den Konjunktiv aus der Klimaschutzfrage wohl endgültig ausradiert haben dürften. Ein merkwürdiger Bundestagswahlkampf, an dessen Ende ein Koalitionsvertrag steht, der Nachhaltigkeit zum Leitthema macht. Und Corona, das fleißig weitergemacht hat, alles auf den Kopf zu stellen.

Ein Jahr voller Aufs und Abs, das aber trotz oder vielleicht auch gerade aufgrund der vielen aufrüttelnden Meldungen und der anhaltend besonderen Situation bemerkenswerte Entwicklungen angestoßen hat. Denn es scheint so, als hätte die Extremsituation dazu geführt, dass immer mehr Menschen angefangen haben, eingefahrene Denk- und Handlungsmuster aufzubrechen. Eine gute Nachricht unter den vielen Negativmeldungen im Jahr.

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Klimawandel stoppen: Studenten liefern konkrete Lösungen

In ihrem Buch „Kleine Gase – große Wirkung“ (2018) haben die beiden Studenten Christian Serrer und David Nelles anschaulich aufgearbeitet, wie der Mensch das Klima beeinflusst und welche Folgen das hat. Mit „Machste dreckig – machste sauber: Die Klimalösung“ legten sie nun – pünktlich zur diesjährigen Klimakonferenz in Glasgow – nach und erläutern in ihrem neuen Buch Lösungsstrategien für die Klimakrise, die bereits heute technisch möglich sind.  Deutlich wird: gerade im Bauen gibt es viel zu tun!

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„Einfach Bauen“: Was muss Architektur können?

Kürzlich wurde im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitstages der Gewinner des Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur gekürt. Durchsetzen konnte sich das Projekt „Einfach Bauen“ im bayerischen Bad Aibling. Wir haben am Rande der Preisverleihung mit den Gewinnern über ihre Motivation, wertvolle Erkenntnisse und den Kern des Prinzips „Einfach Bauen“ gesprochen. Weiterlesen

Zertifizieren und Förderung erhalten

Zertifizieren und Förderung erhalten – so spart man jetzt und in der Zukunft

Mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) haben Bauherren, Kommunen und Investoren seit diesem Jahr erstmalig die Möglichkeit, eine Förderung für die Nachhaltigkeitszertifizierung ihres Bauvorhabens zu erhalten. Aber welche Vorteile ergeben sich aus einer DGNB Zertifizierung im Rahmen der BEG konkret? Welche Nachhaltigkeitsleistungen fallen an? Warum lohnt es sich die Anforderungen zur NH-Klasse zu erfüllen? Und wer hilft bei der Umsetzung? Hier fassen wir zusammen, was Sie zur neuesten Fördermöglichkeit für nachhaltig zertifizierte Gebäude wissen müssen.

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„Nachhaltiges Bauen muss ein Breitensport werden“

Replizierbare Lösungen für nachhaltiges und klimagerechtes Bauen weltweit: Projekte mit solchen Ansätzen werden durch die internationalen Green Solutions Awards prämiert. Am 10. November fand die diesjährige Preisverleihung im Rahmen der im schottischen Glasgow stattfindenden 26. Weltklimakonferenz statt. Teil der Wettbewerbsjury war Thomas Kraubitz, Director und Leiter für Nachhaltigkeit in Europa bei Buro Happold sowie DGNB Präsidiumsmitglied. Wir haben mit ihm über Entwicklungen der Branche weltweit sowie aktuelle Trends beim nachhaltigen Bauen gesprochen. Weiterlesen

Axel-Springer-Neubau

DGNB Diamant: Der Axel-Springer-Neubau in Berlin

Die Corona-Pandemie wirbelt seit 2019 altbekannte Bürostrukturen durcheinander und fordert flexible Formen des Arbeitens. Bei Axel Springer hat ein solches Umdenken bereits vor der Pandemie begonnen: 2013 wurde ein Architekturwettbewerb für ein neues Gebäude mit maximal flexiblen Strukturen ausgelobt. Seit 2020 kann der Axel-Springer-Neubau von mehr als 3.000 Mitarbeitern genutzt werden. Die DGNB Zertifizierung in Gold bescheinigt den hohen Anspruch an einen nachhaltigen Neubau, die DGNB Auszeichnung Diamant unterstreicht die architektonische Qualität.

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SAND?! Ein viel diskutierter Rohstoff.

Vielfach wird die weltweite Knappheit unseres zweitwichtigsten Rohstoffs Sand und die mit dem Abbau einhergehende kriminelle Energie skizziert. Eine Situation, die wir weder in Frage stellen, noch schön reden wollen. Aber inwiefern trifft diese Darstellung auch auf ‚unseren‘ Sandabbau zu? Leiden wir in der Mitte Europas an einem Sandmangel? Ein Lagebericht.

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Seminare der DGNB Akademie

Gewusst wie: Mit dem richtigen Wissen zur nachhaltigen Transformation

Das Thema Nachhaltigkeit nimmt in der Bau- und Immobilienbranche immer mehr an Bedeutung zu. Personen und Unternehmen, die sich spezialisieren, bietet sich ein Wachstumsmarkt, den sie für sich nutzen können. Dabei ist das Wissen über den Markt und die aktuellen Themen für alle Akteure entscheidend. Warum lohnt es sich, Know-how intern aufzubauen? Welche Themen bewegen die Branche im Kontext der Nachhaltigkeit gerade? Und was können wir zukünftig erwarten? Im Interview gibt Jürgen Utz, Abteilungsleiter der DGNB Akademie, eine Einschätzung.

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Nachhaltigkeit macht Schule – das DGNB Spiel

Nachhaltigkeit macht Schule – das DGNB Spiel

Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Stuttgart hat die DGNB im Rahmen des Bildungsprojekts „Umweltprofis von morgen“ ein Kartenspiel für einen nachhaltigeren Schulalltag entwickelt. Was dabei entstanden ist, wie das Spiel funktioniert und was die Schülerinnen und Schüler zur Arbeit mit der DGNB sagen, haben wir hier zusammengefasst.

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Die Podiumsgäste der DGNB Auftaktveranstaltung zur World Green Building Week 2021

Utopien und Impulse für eine nachhaltige Transformation

Wie funktioniert die nachhaltige Transformation im Bauen? Eine einfache Frage deren Antwort jedoch alles andere als trivial ist. Nachhaltigkeit und Klimaschutz nehmen täglich an Relevanz zu. Doch wie gelingt es, dass dem breiten Zuspruch auch sinnvolle Aktivitäten folgen? Wie genau sieht unsere Zielvision eigentlich aus? Welche Akteure nehmen Schlüsselrollen ein? Diese und weitere Fragen standen im Fokus der diesjährigen DGNB Auftaktveranstaltung zur World Green Building Week. Ein Rückblick in Zitaten. Weiterlesen

Foto: Bürgerrat Klima, Janine Escher

Das Klima-Bürgergutachten und die Frage nach der Wirkung

In diesem Frühjahr haben 160 zufällig ausgeloste Menschen aus ganz Deutschland ein Bürgergutachten erarbeitet. Darin geben sie Empfehlungen für die deutsche Klimapolitik. Die Ergebnisse könnten einer künftigen Bundesregierung einen enormen Rückhalt für eine außerordentliche ambitionierte Vorgehensweise in Sachen Klimaschutz geben. Wenn denn das Prinzip der Bürgerräte auch ernst genommen würde.

Hört man den SpitzenkandidatInnen in ihren Wahlkampfauftritten für die Bundestagswahl am kommenden Sonntag zu, so dürfte es eigentlich kein Fragezeichen bei der Wichtigkeit des Themas Klimaschutz geben. Dass vieles Parole ist und dem Detailcheck nicht standhält, wurde jetzt von verschiedensten Seiten wie dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung aufgelöst. Das 1,5-Grad-Ziel ist jedenfalls nur unzureichend der Maßstab für die unterschiedlichen Parteiprogramme.

Dass dies nicht im Sinne der BürgerInnen in Deutschland ist, verdeutlicht das Bürgergutachten, das von den TeilnehmerInnen des Bürgerrats Klima erarbeitet wurde. Mit 141 zu 11 Stimmen votierten diese dafür, dass das 1,5-Grad-Ziel oberste Priorität haben sollte. Beeindruckende 76 der 77 Empfehlungen wurden von den BürgerrätInnen angenommen. Bei 64 Prozent der Empfehlungen betrug die Zustimmung mehr als 90 Prozent. Wie viel mehr Zustimmung braucht eine künftige Bundesregierung von einer vielfältigen, stellvertretend zusammengesetzten Gruppe von Menschen mitten aus der Gesellschaft denn noch?

Positive Ergebnisse – gebremste Euphorie

Trotzdem wird eine teilnehmende Person in dem Bürgergutachten wie folgt zitiert: „Habe große Sorge, dass unsere Bemühungen in der Luft verpuffen … und dass nur ein Tropfen in der Regierung angekommen ist von dem, was wir erarbeitet haben.“ Ist diese Skepsis begründet? Vielleicht ja. Nur woran mag das liegen?

DGNB Vorstand Dr. Christine Lemaitre mit dem Gutachten des Bürgerrats Klima

DGNB Vorstand Dr. Christine Lemaitre mit dem Gutachten des Bürgerrats Klima

Wir als DGNB sind Teil des Unterstützerkreises des Bürgerrats Klima. Weil wir es wichtig finden, dass solche Formate ausprobiert werden. Dass der erschreckenden Form der Einflussnahme von Lobbyisten in Deutschland ein Gegengewicht entgegengestellt wird. Weil wir hoffen, dass es mutige PolitikerInnen gibt, die sich tatsächlich als VolksvertreterInnen verstehen und die Einschätzungen von WissenschaftlerInnen, FachexpertInnen und BürgerInnen gleichermaßen ernst nehmen.

Das soll nicht heißen, dass wir per se alles gut finden und Bürgerräte als Allheilmittel verstehen. Und so sind uns beim Lesen des Bürgergutachtens eine Reihe von Dingen aufgefallen, die zeigen, wo das Prinzip in der jetzt durchgeführten Form noch Grenzen hat, auf die bei künftigen Bürgerräten geachtet werden sollte.

  1. Die überwältigende Mehrheit der Befürwörter ist zwar einerseits beeindruckend, birgt jedoch auch ein „Aber“ in sich. Es lässt einen – ob man will oder nicht – ein Stück weit skeptisch zurück, wenn man sich nicht intensiver mit dem Prozess hinter den Bürgerräten beschäftigt. Kann es eine so eindeutige Mehrheit geben? Wurden die BürgerrätInnen nicht 12 Wochen lang „Pro Klimaschutz“ gepolt? Gab es auch ExpertInnen mit kritischen Gegenhaltungen, um eine unvoreingenommene Meinungsbildung zu ermöglichen? Transparenz und Ausgewogenheit sind hier zentral.
  2. Die Ergebnisse werden dann dünner, wenn die BürgerInnen eine direkte persönliche Einschränkung zu erwarten haben. Die City-Maut wurde als einzige Empfehlung mehrheitlich abgelehnt. Das Tempolimit auf Autobahnen erhielt die zweitwenigsten Befürworter. Die Mutmaßung: Je abstrakter Klimaschutzmaßnahmen bleiben bzw. je weniger sie mich in meinem tagtäglichen Leben betreffen, desto leichter fällt die Unterstützung. Schwächt das die übrigen Empfehlungen ab? Irgendwie schon, weil nicht klar ist, ob sich die Stimmung dreht, sobald wir die Einschränkungen im Persönlichen spüren.
  3. Manche Empfehlungen enthalten viele Einzelaspekte, über die dann aber nur übergeordnet mit Ja oder Nein abgestimmt werden kann. Hier fehlt an manchen Stellen eine Differenzierung. Entsprechend bleiben Fragezeichen, wie das Ergebnis tatsächlich zu bewerten ist. Stimmten die Teilnehmenden vielleicht auch zu, selbst wenn ich nur einige der Einzelpunkte befürworteten?
  4. Die konkrete Ausgestaltung einzelner Empfehlungen legt zudem nahe, dass hier ausgewählte ExpertInnen viel Raum erhalten haben für ihre konkreten Ideen. Ein Beispiel ist die vorgeschlagene Sanierungsampel. Hier wird gleich eine Methodik eingeführt, die nur eine von vielen Optionen ist, um das dahinterstehende Ziel zu erreichen. Hier sollte von einem begleitenden Gremium kritischer draufgeschaut werden.

Die Grenzen der politischen Meinungsbildung

Diese Beobachtungen sollen aber die Ergebnisse in keinster Weise schmälern. Stattdessen zeigen sie eine noch viel größere Herausforderung in unserer heutigen Zeit auf: Mangelnde Information oder sogar Desinformation. Fakten und Zusammenhänge sowie die Kenntnis von Möglichkeiten und Notwendigkeiten sind das A und O, wenn es um eine fundierte politische Meinungsbildung geht. Denn die Ergebnisse des Bürgerrats Klima zeigen deutlich, wenn diese vorliegen und verstanden werden, kommen offensichtlich die allermeisten – zumindest beim Thema Klimaschutz – auf dieselben Erkenntnisse. Wenn man ihnen die Zeit gibt, diese zu verstehen.

In der Realität werden wir gnadenlos konfrontiert mit Meinungen und flüchtigen Social-Media-News, deren Wahrheitsgehalt nur die wenigsten überprüfen können. Die BILD-Zeitung titelt zehn Tage vor der Bundestagswahl mit der Schlagzeile „Klima-Schutz kostet Hunderttausende Jobs“. Ob diese auch über das Bürgergutachten berichtet hat? Wenn überhaupt wohl eher als Randnotiz.

Genau deshalb könnten Bürgerräte zu einem wichtigen Werkzeug unserer Demokratie werden. Wenn ihre Stimmen und Empfehlungen als repräsentativ anerkannt würden. Denn hier bekommen die Teilnehmenden genau das, was der Mehrheit im Alltag oft fehlt: Den Zugang zu Expertenwissen sowie die Zeit sich damit auseinanderzusetzen und fundiert eine Meinung bilden zu können. Dass dies beim Klimaschutz zu einer gewaltigen Mehrheit führt, hat das Bürgergutachten gezeigt.