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Den Raum ordnen durch hochwertige Architektur

Die Messe Nürnberg expandiert. Die neuen Ausstellungshallen markieren eine Zeitenwende, die Halle 3C ist heute ein baulicher Höhepunkt des gesamten Geländes. Doch was macht das Projekt und seine Qualitäten so besonders?

Stahlmengen, die so viel wiegen wie ca. 500 Elefanten, eine Dachfläche in der Größenordnung von ca. 16.372 aneinandergelegten DIN-A4 Blättern, eine Glasfassade, die 1.500 Mal so groß ist wie die menschliche Körperoberfläche – die Eckdaten der Messehalle 3C in Nürnberg sind beeindruckend. Der Grund für den ambitionierten Entwurf: Die verantwortlichen CEOs der Nürnberger Messe möchten, dass das Ausstellungsgelände der fränkischen Metropole ab 2024 das leistungsstärkste Europas ist, zumindest was Kompaktheit und Parallelbetrieb betrifft. Dabei spielt auch hochwertige Architektur eine Rolle.

Mit Zaha Hadid Architects wurde erneut ein weltbekanntes Architekturbüro engagiert. Hadids Team hatte bereits die Halle 3A entworfen und damit die charakteristische organisch-bewegte Formensprache auf das Messegelände geholt. Die Halle ist DGNB zertifiziert und auch die Zukunftsfähigkeit des neuen Projekts Halle 3C sollte auf diese Weise gesichert werden.

Zertifizierungsprozess der anderen Art

„Die Zertifizierung einer Messehalle ist etwas Besonderes“, erzählt Auditorin Giulia Peretti von Werner Sobek Green Technologies, „denn viele Abläufe und Prozesse in diesem Gebäudetyp sind unveränderbar und vorgegeben. Zudem ist die Halle 3C in das übergeordnete System des Messegeländes integriert. Das erhöht die Zahl der Einflussgrößen, hat allerdings auch Vorteile, da auf ein gut funktionierendes System zurückgegriffen werden kann.“

Ein Beispiel für diese Wechselwirkung: die Halle 3C ist in das Energiemanagementsystem der Messe Nürnberg eingebunden. Dadurch sind das kontinuierliche Monitoring und die Optimierung der energetischen Performance bereits unabhängig von einer DGNB Zertifizierung vorgegeben. Insbesondere die Bilanzen einzelner Messeveranstaltungen und einzelner Messehallen werden dadurch miteinander vergleichbar, anders als bei z.B. Bürogebäuden. Sowohl der Energieverbrauch der Standbetreiber als auch der resultierende Energieverbrauch des Betriebs der gesamten Halle kann dabei stark variieren. Die Art des Messebetriebs ist eine weitere Variable in diesem Beziehungsgeflecht.

 

Wichtig für eine nachhaltige Messehalle im Allgemeinen sind eine hohe Flexibilität, optimierte Lebenshaltungskosten sowie eine maximierte Behaglichkeit und Sicherheit für die Nutzer. „In diesen Schlüsselaspekten sind wir sehr gut aufgestellt“, so Peretti. „Durch den ausschließlichen Einbau von Bauprodukten mit sehr geringen Emissionen und SVHC-Konzentrationen („Substances of Very High Concern“, chemische Verbindungen, die laut EU-Verordnung zu vermeiden sind, Anm. d. Redaktion) wurden beispielsweise hervorragende Ergebnisse in der Qualität der Innenraumluft erzielt. Zudem haben wir in der Materialwahl sowohl bei Elektrokabeln als auch bei Bodenbelägen, Dämmstoffen und Isolierungen auf eine hundertprozentige Halogenfreiheit geachtet. Dadurch ist eine maximale Sicherheit, auch im Brandfall, gewährleistet. Das ist für die Besucher und Angestellten sehr wichtig.“

Wo organische Formensprache Ingenieursqualitäten feiert

Die Erfahrung des Planungsteams sei dabei ein Schlüssel für die beachtliche Qualität der Halle 3C, erzählt Peretti weiter: „Die Planer und das Team der Messe Nürnberg waren bereits bei der Halle 3A tätig. Somit waren die DGNB Anforderungen und Abläufe bekannt. Dies führte zu einem effizienten Ablauf des Zertifizierungsprozesses und zu einer grundsätzlich einwandfreien Prüfung während der Bauphase. Weiterhin konnten zusätzliche Optimierungen gegenüber der älteren Halle 3A erreicht werden, eine bessere Abfallbilanz zum Beispiel oder Lärmminderung auf der Baustelle“.

Johannes Hoffmann, seit 2005 bei Zaha Hadid Architects, ist für den architektonischen Entwurf der Halle verantwortlich. Hoffmann ist wichtig, dass ein Gebäude eine „positive Ausstrahlung hat, motivierend wirkt und soziale Kontakte fördert.“ Das sieht er im Fall der Halle 3C exemplarisch verwirklicht. „Die meisten Messehallen sind in sich geschlossene, nach innen gerichtete Gebäude“, sagt Hoffmann im Interview. Die Halle 3C sollte stattdessen ein „zum Stadtraum offener, kommunikationsfreudiger Umschlagplatz“ und gleichzeitig hochwertige Architektur sein.

Offenheit und Transparenz: Der Entwurf kommuniziert Wert, die für eine Messe wichtig sind. Die Terrasse soll Kommunikation fördern. ©Heiko Stahl / NürnbergMesse GmbH

Doch auch eine Art erlebte User Experience in der Halle ist für Hoffmann wichtig. Der Architekt möchte Räume so organisieren, dass sie zugänglich und menschlich wirken. Die über dem Ausstellungsraum schwebende Terrasse trägt dem Wunsch des Menschen nach einem Hochpunkt und Beobachtungsposten Rechnung. Das prägnante Dachtragwerk erinnert in seiner organischen Parzellierung an Grundformen der Natur und würdigt gleichzeitig Ingenieursqualitäten. Für Hofmann ein Beweis von gebauter Zukunftsfähigkeit: „Ein Gebäude hat dann Zukunft, wenn es auch noch in 15, 30, 50 Jahren von seinen Nutzern geschätzt wird.“

Mehr hochwertige Architektur für die Messe

Die Nürnberger Messe plant derweil schon die nächste Expansion. Sowohl Zaha Hadid Architects als auch die DGNB werden dabei als Partner zur Verfügung stehen: Das neue NCC Süd stellt das vierte Convention Center des Messegeländes dar und wird von den Hallen 3A und 3C flankiert. Die Fertigstellung ist für 2024 geplant, 200 Mio. Euro werden dafür investiert. Auch das NCC Süd strebt eine DGNB Zertifizierung an, Giulia Peretti wird erneut die Auditierung übernehmen.

Motivation für die rege Bautätigkeit hat die Messeleitung genug: 2019 wurde als erfolgreichstes ungerades Jahr der Unternehmensgeschichte abgeschlossen.

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