Architektur, Projekt des Monats
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DGNB Diamant: Der Axel-Springer-Neubau in Berlin

Axel-Springer-Neubau

Die Corona-Pandemie wirbelt seit 2019 altbekannte Bürostrukturen durcheinander und fordert flexible Formen des Arbeitens. Bei Axel Springer hat ein solches Umdenken bereits vor der Pandemie begonnen: 2013 wurde ein Architekturwettbewerb für ein neues Gebäude mit maximal flexiblen Strukturen ausgelobt. Seit 2020 kann der Axel-Springer-Neubau von mehr als 3.000 Mitarbeitern genutzt werden. Die DGNB Zertifizierung in Gold bescheinigt den hohen Anspruch an einen nachhaltigen Neubau, die DGNB Auszeichnung Diamant unterstreicht die architektonische Qualität.

Mit dem Axel-Springer-Neubau erweitert das Medien- und Technologieunternehmen seinen Berliner Hauptstandort vis-à-vis dem goldschimmernden Axel-Springer-Hochhaus. Seit 1966 bildet der 78 Meter hohe, damals direkt an der Berliner Mauer errichtete Büroturm den Auftakt für das heutige Springer-Areal im historischen Zeitungsviertel in Berlin-Kreuzberg.

Ein Verlag im Wandel der Zeit

Zu Beginn des 2013 ausgelobten Wettbewerbs für den Neubau hatte Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, den 18 geladenen Architekturbüros folgende Fragestellung mit auf den Weg gegeben: „Wie sieht der inspirierende Arbeitsplatz für Journalisten, Marketing-Mitarbeiter und Entwickler, die in der kreativen Branche arbeiten, aus? Das ist unsere Schlüsselfrage an Sie. Ich bitte Sie, darüber nachzudenken und dies auf radikale und innovative Weise neu zu definieren.“

Den Wettbewerb konnte das in Rotterdam ansässige Architekturbüro OMA – Office for Metropolitan Architecture für sich entscheiden. Als Antwort auf Döpfners Bitte, entwickelte der niederländische Architekt und Pritzker-Preisträger Rem Koolhaas zusammen mit seinem Team ein markantes Gebäude, das über 3.000 Mitarbeitern eine konsequent offene Struktur bietet. Auf mehr als 50.000 Quadratmetern sind die Grundrisse so flexibel konzipiert, dass sich auch im Falle künftiger Veränderungen ganz unterschiedliche Szenarien abbilden lassen.

Axel Springer Neubau OMA

Lageplan mit den Axel Sringer Bauten im Fokus. © OMA

Klare Positionierung im Stadtbild

Der schwarze Kubus mit trapezförmigem Grundriss steht auf dem ehemaligen Todesstreifen zwischen Ost und West. Auf der Südwest- und Nordostseite wird die dunkle Glasfassade des Stahlbetonbaus aufgebrochen, eine mehrfach geknickte, freitragende Glasstruktur schiebt sich dynamisch nach außen. Diese beiden großformatigen Einschnitte markieren den Start- und Endpunkt einer Achse, die diagonal durch das gesamte Gebäude verläuft und symbolträchtig den ehemaligen Mauerverlauf nachzeichnet. Entlang dieser Durchgangshalle entwickeln sich zu beiden Seiten insgesamt elf Geschosse terrassenartig in die Höhe. Brücken und Stege verbinden die Ebenen in dem 45 Meter hohen lichtdurchfluteten Atrium.

  • Axel Spinger Neubau OMA
    © Laurian Ghinitoiu/ OMA

Dass es in dieser offen gestalteten Landschaft mit reichlich Blickbezügen nur wenig feste Arbeitsplätze gibt, versteht sich von selbst. Auf den einzelnen Ebenen sind von der Sitzgruppe über Besprechungstische bis hin zum traditionellen Schreibtisch unterschiedlichste Bereiche zum Arbeiten geboten – alleine oder im Team und mit möglichst wenig Hierarchien. Begegnung, Interaktion und der bereichsübergreifende Austausch unter den Kollegen sind gewünscht.

  • Axel Springer Neubau OMA
    Grundriss 2. Obergeschoss © OMA

Den krönenden Abschluss bildet eine 4.000 Quadratmeter große Dachlandschaft mit 360° Blick über Berlin. Der Großteil ist als begehbare Grünfläche mit Sitzgelegenheiten, Bäumen und Sträuchern gestaltet. Hier trifft sich die Belegschaft zum Mittagessen, Sport treiben, Arbeiten und zum After Work. Alles mit Blick auf die üppigen Hochbeete, um die sich das Axel-Springer-Green-Team kümmert, welches allgemein die Nachhaltigkeitsthemen im so genannten Axel-Springer-Kiez vorantreibt.

Mit DGNB Gold und Diamant auf höchstem Niveau

Der Neubau bietet Mitarbeitern und Besuchern nicht nur einen spektakulär modernen Ort der Begegnung, auch beim Thema Nachhaltigkeit richtet der Bauherr den Blick in Richtung Zukunft. Mit dem DGNB Zertifikat in Gold wurde die zweithöchste Stufe des DGNB Zertifizierungssystems erreicht, das eine ganzheitlich betrachtete Bauweise voraussetzt.

Der beauftragte DGNB-Auditor Ulrich Schweig hat das Projekt von Anfang an begleitet und fasst den Ablauf wie folgt zusammen: „Der Axel Springer Neubau ist ein Paradebeispiel für die gelungene Zusammenarbeit aller Beteiligten. Bauherr und Auftragnehmer ZÜBLIN haben das Projekt im Partneringverfahren (ZÜBLIN teamconcept) realisiert. Schon in der frühen Planungsphase wurde unter Einbeziehung versierter Fachplaner geprüft, welche Möglichkeiten das Gebäudekonzept im Hinblick auf eine ganzheitlich nachhaltige Bauweise bereithält. Mit einem Gesamterfüllungsgrad von 80 % im DGNB-Bewertungssystem hat das Team am Ende fast sogar Platin erreicht.“

Axel Springer Neubau OMA

Tageslicht und Blickbezüge in alle Richtungen bestimmen die neue Arbeitswelt. © Laurian Ghinitoiu/ OMA

Zudem vergab eine von der DGNB einberufene, unabhängige Expertenjury aus Martin Haas, haascookzemmrich, Amandus Samsøe Sattler, Allmann Sattler Wappner Architekten, und Boris Schade-Bünsow, Chefredakteur Bauwelt, den DGNB Diamant als Auszeichnung für gestalterische und baukulturelle Qualität mit folgender Begründung: „Die eindrucksvollen Qualitäten der radikalen Umsetzung einer Vision dieser zeitgemäßen neuen Arbeitswelt überwiegt eindeutig über den Schwächen der Außenwirkung die wir bei dem Gebäude sehen“.

Für die Auszeichnung Diamant können Projekte angemeldet werden, die ein DGNB Zertifikat in Gold oder Platin erhalten haben. Gesucht werden Gebäude, die neben der nachhaltigen Bauweise auch durch ihre architektonische Qualität überzeugen.

Kategorie: Architektur, Projekt des Monats

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Christine Schröder arbeitet bei der DGNB als Referentin Initiativen und Netzwerk mit den Schwerpunkten Phase Nachhaltigkeit und Wissensstiftung. Nach dem Architekturstudium und der Mitarbeit in Büros in Stuttgart, Berlin und London fand sie den Weg zum Schreiben während eines Volontariats bei der Verlagsanstalt Alexander Koch. Hier war sie über zehn Jahre in der Redaktion der Architekturfachzeitschrift AIT tätig. Ihre Begeisterung für das nachhaltige Bauen führte schließlich zur DGNB.

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