Allgemein, Architektur, DGNB Diamant, hochwertige Architektur, Nachhaltiges Bauen, Projekt des Monats
Schreibe einen Kommentar

Herausragend2: Edge Suedkreuz in Berlin

Edge Suedkreuz Berlin

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Diese alte Lebensweisheit hat sich für den Projektentwickler Edge bewahrheitet. Zu Beginn der Planung des Büroensembles „Edge Suedkreuz“ 2019 war die gewählte Holzhybridbauweise noch neu, Erfahrungen gab es wenig. Seit Oktober 2022 ist es nun amtlich: das Projekt erreicht den bislang höchsten Wert in der DGNB Zertifizierung. Erste Stimmen der Nutzerinnen und Nutzer bezeugen Zufriedenheit auf ganzer Linie. Das Wagnis hat sich gelohnt.

Das derzeit wohl größte Holzhybridgebäude Deutschlands glänzt auf allen Ebenen: Mit einem Gesamterfüllungsgrad von 95,4 Prozent erreicht das Neubauprojekt „Edge Suedkreuz“ den bislang höchsten Wert in der Geschichte der DGNB Zertifizierung.

„Hier wurde Nachhaltigkeit frühzeitig als Pflänzchen im Projekt integriert und regelmäßig mit Ideen, Ambitionen, Leidenschaft und Qualitätsbewusstsein genährt – das DGNB System ist als Gemeinschaftsleistung gelebt worden.“ Thomas Kraubitz, DGNB Senior Auditor, Buro Happold

Eine unabhängige „Kommission für Gestaltungsqualität“ sprach sich zudem für die Auszeichnung DGNB Diamant aus. Damit würdigen Matthias Burkart, 4a Architekten, Prof. Amandus Samsøe Sattler, Ensømble Studio Architektur und Boris Schade-Bünsow, Bauwelt einen weiteren Nachhaltigkeitsaspekt: nämlich die Langlebigkeit gestalterisch herausragender Gebäude.

Materialeigenschaften im Sinne der Nachhaltigkeit genutzt

Bei der gewählten Holzhybridbauweise ergänzen sich die Materialien Holz und Stahlbeton gemäß ihren Eigenschaften hervorragend: Holz trägt, Stahlbeton steift aus und verhindert Brandüberschläge. Mit über 3.300 Kubikmetern hat Holz den Hauptanteil inne, was sich neben der verbesserten Energiebilanz positiv auf das Raumklima auswirkt. Im Vergleich zur konventionellen Stahlbetonbauweise wird von einer CO2-Einsparung um 80 Prozent pro Quadratmeter Nutzfläche gesprochen. Die modulare Bauweise mit hohem Vorfertigungsgrad wirkte sich auch positiv auf den Bauablauf und den Straßenverkehr während der Bauphase aus.

EDGE liebt Holz. Damit vermeiden wir, wie bei EDGE Suedkreuz, einerseits CO2-Emissionen bei der Herstellung von Baumaterial, darüber hinaus wird der Klimaschadstoff während der Gebäudelebensdauer im Holz gebunden.” Coen van Oostrom, Founder & CEO EDGE

Edge Suedkreuz Berlin

Zwischen den beiden Bürogebäuden ist ein öffentlicher Platz mit Aufenthaltsqualität entstanden. © Michael Fahrig/EDGE

Arbeiten in prominenter Lage

Für den Entwurf zeichnet das Büro Tchoban Voss Architekten verantwortlich. Auf dem gut 10.000 Quadratmeter großen Grundstück am Rande des Stadtentwicklungsgebietes „Schöneberger Linse“ im Süden von Berlin formen zwei siebengeschossige Bürogebäude (Solitär und Carré) einen urbanen Platz in Richtung des drittgrößten Berliner Fernbahnhofs Südkreuz. Bestückt mit Holzpodesten, Sitzgelegenheiten und diversen Grünflächen lädt der Hildegard-Knef-Platz nicht nur Mitarbeitende, sondern auch Vorbeikommende zum Verweilen ein.

Edge Suedkreuz Berlin

Anastasiya Vitusevych, Development Manager EDGE, resümiert das ehrgeizige Projekt im Zuge der DGNB Zertifikatsverleihungen im Rahmen der Messe Expo Real 2022.

Die beiden Bürogebäude werden vom Platz aus betreten. Mieter des kleineren Solitärs ist der Photovoltaik Anbieter Q Cells. Das Erdgeschoss wird mit Gastronomie und Einzelhandel bespielt. Im Carré-Gebäude ist der Energieversorger Vattenfall mit seiner neuen Deutschland-Zentrale ansässig.

Der eigentliche Wert liegt im Innenraum

Die gleichmäßig gerasterte, mit Faserzementplatten beplankte Fassade lässt zunächst nicht auf die innovative Holzhybridbauweise schließen. Erst im Innenraum ist der Hauptwerkstoff Holz allgegenwärtig. Neben der sichtbar gelassenen Holzkonstruktion sorgen bodentiefe Fenster, Türen und Handläufe aus Holz für eine klare und freundliche Architektursprache.

Im 20.000 Quadratmeter großen Carré-Gebäude treffen die 1.600 Vattenfall Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunächst im zentralen Atrium zusammen. Ein transparentes ETFE-Folienkissendach sorgt hier für reichlich Tageslicht in allen Bereichen. Dominiert wird das 1.600 Quadratmeter große und 26 Meter hohe Atrium von vier unterschiedlich hohen baumförmigen Stützen.

Verbunden über Stege und Treppen dient die eindrückliche Konstruktion der kommunikativen Erschließung sämtlicher Bereiche. Auf spektakuläre Weise ist so die kürzeste Verbindung zwischen den Geschossen entstanden.

Die Plattformen auf den Stützen mit einem Durchmesser von bis zu 7,20 Meter sind als Orte für informelle Treffen ausgebildet. Beginnend im Erdgeschoss, wo Gastronomie und Konferenzbereiche angeordnet sind, endet die Treppenskulptur im fünften Obergeschoss in der Skylounge vor dem eingeschnittenen Stadtbalkon mit Blick in Richtung Bahnhof.

  • Edge Suedkreuz Berlin
    Im Carré Gebäude beeindruckt das 26 Meter hohe Atrium. © Michael Fahrig/EDGE

Zeitgemäßes Arbeiten auf allen Ebenen

Der Erlebnisraum Atrium ist auch im Bereich der Arbeitsplätze präsent. Bodentiefe Fenster geben den Blick frei, erneut entstehen geschossübergreifend kommunikative Blickbezüge. Im Falle einer Umnutzung lässt das modulare Grundrissraster eine flexibel anpassbare Bespielung zu.

Das Platzangebot ist ganz im Sinne des flexiblen Arbeitens gestaltet: Jedes Geschoss hält unterschiedlich große Open-Space-Bereiche, Einzelarbeitsplätze für ein fokussiertes Arbeiten, Besprechungsräume für die Teamarbeit und Küchen für den informellen Austausch bereit. Je nach aktueller Tätigkeit suchen sich die Mitarbeitenden den passenden Platz in ihrer nachhaltig gestalteten Arbeitswelt.

„Edge Suedkreuz ist nicht nur irgendein Bau, sondern war und bleibt für mich ein Prototyp des neuen Denkens. Auf diesem in die Zukunft gerichteten Denkweg verbindet sich das rationale mit dem Künstlerischen, Emotionalen. Jedes Material nimmt nur ihm bestimmten eigenen Platz ein. Die angestrebten leichten Gewichte der Gebäudeteile bestimmen den Einsatz unterschiedlicher Materialien, vor Allem des Holzhybrid-Bausystems, Reduktion des CO2-Ausstoßes. Die Prefabrikation der Gebäudeteile und deren möglicher wiederholter Einsatz sorgen für ein nachhaltiges Bausystem und die beeindruckenden Räume schaffen das Beispiel für den Büroraum der Zukunft.“  Sergei Tchoban, TCHOBAN VOSS Architekten

  • Edge Suedkreuz Berlin
    Grundriss Erdgeschoss © de Winder Architekten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert