Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur
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„Einfach Bauen“: Was muss Architektur können?

Kürzlich wurde im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitstages der Gewinner des Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur gekürt. Durchsetzen konnte sich das Projekt „Einfach Bauen“ im bayerischen Bad Aibling. Wir haben am Rande der Preisverleihung mit den Gewinnern über ihre Motivation, wertvolle Erkenntnisse und den Kern des Prinzips „Einfach Bauen“ gesprochen.

„Die Baubranche muss sich in Richtung Nachhaltigkeit wandeln. Das Projekt ‚Einfach Bauen‘ gibt hier im Sinne der Suffizienz einen wertvollen Impuls und zeigt auf vorbildliche Weise, wie wir in Zukunft bewusster bauen können“, lobt DGNB Präsident und Juryvorsitzender Prof. Amandus Samsøe Sattler das DNP-Sieger-Projekt. „Durch die wissenschaftliche Begleitung und der für die Öffentlichkeit frei verfügbaren Dokumentation leistet das Projekt herausragende Pionierarbeit, die in der Planungs- und Baupraxis Spuren hinterlassen wird.“

Drei Gebäude, die zeigen, was man (nicht) braucht

Die drei Gebäude des Projekts "Einfach Bauen"

Die Gebäude des Projekts „Einfach Bauen“ | Foto: Sebastian Schels

Im Rahmen des Forschungsprojekts  „Einfach Bauen“ wurden mithilfe der Bausubstanzen Leichtbeton, Massivholz und Mauerwerk drei identische Gebäude errichtet. Diese zeichnen sich durch eine gezielte Reduktion von Baumaterial und einem vereinfachten Aufbau aus. Ebenso konnte das Recyclingpotenzial durch den Verzicht auf Fremdmaterialien um ein Vielfaches gesteigert werden.

Die Errichtung der drei Gebäude stellt innerhalb des Projektes den zweiten Schritt dar. Zuvor beschäftigten sich die Forschenden mit den Prinzipien des einfachen Bauens. Im finalen dritten Schritt sollen die Qualitäten der Gebäude durch ein gezieltes Monitoring während der Nutzungsphase überprüft werden, um so die Potenziale konkret nachzuvollziehen.

„Was kann man eigentlich mit Architektur machen?“

Was das Projekt aus Architekturperspektive so besonders macht, hält Projektleiter Tilman Jarmer (Florian Nagler Architekten) im Interview fest. Reizvoll war für ihn unter anderem zu schauen, „was kann man eigentlich mit Architektur machen?“ Ganz konkret stellte sich das Projektteam die Frage, was Architektur können müsste, wenn man Technik vollkommen weglassen würde. Das Prinzip „Einfach Bauen“ fasst er in drei Punkten zusammen:

  1. Mittel der Architektur anwenden
  2. So wenig Technik wie möglich
  3. Nutzerverhalten zur Optimierung beobachten

Im Interview spricht er zudem über Resonanz aus der Architektenschaft und warum ihm das Thema Nachhaltigkeit am Herzen liegt.

Link zum Interview mit Tilman Jarmer - Gewinner Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur 2022

Interview mit Projektleiter Tilman Jarmer (Florian Nagler Architekten)

Technik nur da, wo sie dem Menschen dient

Ähnlich wie Jarmer betont auch Prof. Thomas Auer von der Technischen Universität München: „Alles, was wir über Architektur lösen können ohne Technik, ist doch erst einmal besser. Und dass wir dann die richtige Technik gezielt da einsetzen, wo wir sie brauchen und wo sie auch wirklich dem Menschen dient.“

Eine ganz wesentliche Erkenntnis des Projektes ist für ihn bereits zum jetzigen Stand der Forschung die Rolle der Raumhöhe: Im Hinblick auf alle Komfortparameter berge Höhe Vorteile und sorge nicht nur dafür, dass Technik reduziert werden könne.

Link zum Interview mit Prof. Thomas Auer - Gewinner Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur 2022

Interview mit Prof. Thomas Auer (Technische Universität München und Geschäftsführer bei Transsolar | Klimaengineering)

Teil eines klimaneutralen Quartiers

Perspektivisch ist es das Ziel, auf dem ehemaligen Kasernengelände in Bad Aibling ein Null-Emissions-Quartier zu errichten, hält schließlich Dr. Ernst Böhm fest.  Im Gespräch gibt der Gesellschafter der B&O Gruppe, Bauherrin des Projektes, Einblicke in seine persönliche Motivation sowie die bisherige Resonanz zum Projekt.

Link zum Interview mit Dr. Ernst Böhm - Gewinner Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur 2022

Interview mit Dr. Ernst Böhm (Gesellschafter der B&O-Gruppe)

Nachhaltigkeit als Motivation Nr. 1 von Studierenden

In seinem Resumé blickt Auer positiv in die Zukunft und auf kommende Generationen: „Ich habe das Gefühl, dass dieses Thema – wirklich Nachhaltigkeit – diese Verantwortung, die wir als Planer haben, die Architekten und Ingenieure haben, dass das die Frage Nummer eins ist, die Motivation Nummer eins unserer Studierenden.“ Eine Einschätzung, die auch künftig auf spannende Projekte im Sinne der Nachhaltigkeit hoffen lässt.

Für alle, die mehr zum Prinzip „Einfach Bauen“ erfahren wollen, stellt das Projektteam auf ihrer Homepage einen Leitfaden zum Download zur Verfügung. Alle Gewinner und Nominierten des Deutschen Nachhaltigkeispreises Architektur der vergangenen Jahre gibt es hier noch einmal im Überblick.

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