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Investor trifft Architekt: Ein Plädoyer für mehr Diskurs

Die gesellschaftlichen Umstände, unter denen Architektur produziert wird, sind entscheidend für deren Qualität. Das war schon immer so. Die Crux liegt in dem Ausmaß, in dem diese Umstände heute von Kapital geprägt sind. Bei allem Drang nach Profitmaximierung darf nicht an der Gesellschaft vorbei investiert werden. Ein Verdrängungsmechanismus von kultureller und architektonischer Vielfalt kann nicht im Sinne der Bauherren sein. Wir brauchen mehr Dialog zwischen Investoren und Architekten. Mehr Verständnis, übergeordnete Ideen und gemeinsame Visionen.

Seit jeher ist die architektonische Ausformung von Gebäuden abhängig von ökonomischen Voraussetzungen. Investorenarchitektur ist also kein Phänomen der letzten zehn Jahre. Der Unterschied liegt in der Dimension, in der institutionelle Anleger in Immobilien investieren – insbesondere seit der Finanzkrise.

Negativen Einfluss auf die architektonische Qualität der gebauten Umwelt, auf städtische Strukturen und gewachsene Räume kann dies dann haben, wenn die Rendite zur fixen Größe wird, die über allem steht. Wenn es für die Bauherren allein darum geht, diesem funktionalen Zweck zu dienen. Fantasievoll, nutzungsflexibel, sozial, ästhetisch? Diese Attribute passen nicht so recht ins Bild, wenn wir an Investorenarchitektur denken.

Architekten und Investoren: Versuch einer Annäherung

Nun ist es nicht so, dass Architekten nicht in der Lage sind, ökonomisch zu denken. Im Gegenteil: In jedem Planungsschritt begleitet der Blick auf die Wirtschaftlichkeit die Arbeit. Und dass Architektur ohne die Finanzgeber schlicht unmöglich wäre, ist klar.

Wohnhochhäuser am Hirschgarten in München (Bauherr: LBBW, Architekt: Allmann Sattler Wappner Architekten)

Wohnhochhäuser am Hirschgarten in München (Bauherr: LBBW, Architekt: Allmann Sattler Wappner Architekten)

Umso mehr müssen wir doch unsere Anstrengungen darauf legen, gemeinsam zu besseren Lösungen zu kommen. In einem Zusammenspiel, das von Investorenseite die Bereitschaft voraussetzt, gestalterische und baukulturelle Qualität als Wert anzuerkennen. Und das Streben nach diesem Wert als projektbegleitenden Imperativ zu sehen, wenn sie ein Stück weit gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wollen.

Ob dies in Form von Schulungen in Gestaltungsfragen für Investoren sein muss? Warum nicht? Es wäre ein interessantes, lohnenswertes Experiment. Doch vielmehr geht es um die grundsätzliche Bereitschaft zur Kommunikation, zum Initiieren von ergebnisoffenen Gesprächen ganz zu Projektbeginn.

DGNB führt Diskurs um gestalterische Qualität

Gemeinsam gestalten wir unsere Umwelt, prägen wir unser Stadtbild. Das hat viel mit Verantwortung zu tun. Hierfür benötigen wir ein Selbstverständnis, eine Haltung, die wir nur miteinander definieren und leben können.

Die DGNB prescht hier einen Schritt nach vorne, indem sie sich der Bewertbarkeit der Gestaltqualität widmet und eine sinnvolle Kopplung mit dem Zertifizierungssystem für Gebäude evaluiert. Ich darf diesen Prozess seit einigen Monaten mit begleiten und bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung entwickeln, die alle Parteien zufriedenstellt. Mehr noch: Ich denke, wir schaffen eine inhaltliche Basis für mehr Austausch. Ein Fundament für gemeinsame Anstrengungen in der Zukunft. Auf dass Investorenarchitektur und architektonische Qualität mehr und mehr zur Gleichung werden.

Kategorie: Diskurs

von

Amandus Samsøe Sattler

Amandus Samsøe Sattler ist Director und Founding Partner des von ihm im Jahr 1987 gegründeten Architekturbüros Allmann Sattler Wappner Architekten in München. Darüber hinaus lehrt er an nationalen und internationalen Universitäten und hält Vorträge zu Architektur und Gesellschaft sowie zur Verantwortung für Ästhetik und Nachhaltigkeit. Er ist Mitglied im Gestaltungsbeirat der Stadt Oldenburg und als Preisrichter und Vorsitzender zahlreicher Architekturwettbewerbe tätig. All seine Erfahrungen bringt er ins DGNB Präsidium ein, wo er seit 2015 Mitglied ist.

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