Interview, Klimaschutz, Nachhaltiges Bauen
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Jugend forscht: Wie ein Schüler eine nachhaltige Stadt plant

Mit seinem Computerprogramm kann man eine Stadt planen, mehr über ihre Klimabilanz erfahren und sie als 3D-Modell betrachten. Nicolas vom Scheidt ist gerade mal 14 Jahre alt und mit seiner „Interaktiven Stadtplanung“ dieses Jahr erfolgreich beim Wettbewerb „Jugend forscht“ angetreten. Wir haben mit ihm über seine Motivation, den Nutzen der Software und seine Wünsche für die Zukunft gesprochen.

Tamira Bethke (TB): Du hast eine Software entwickelt, die es möglich macht, interaktiv eine Stadt zu planen und ihre Klimabilanz zu erforschen. Siehst du dich denn als zukünftigen Stadtplaner oder hast du andere berufliche Ziele?

Nicolas vom Scheidt (NvS): Was ich später einmal machen möchte, weiß ich noch gar nicht, weil ich mich für viele verschiedene Dinge interessiere. Ich schaue einfach mal, was sich ergibt. Programmieren macht mir aber Spaß. Das hat mir mein Vater beigebracht.

TB: Woher kam deine Motivation und was war dein Ziel für dieses Projekt?

NvS: Ich wollte irgendetwas gegen den Klimawandel tun. Da habe ich mir überlegt, wie ich meinen Teil dazu beitragen kann. Als ich herausgefunden habe, dass 40% des weltweiten CO2-Ausstoßes beim Bauen entstehen, habe ich mich noch mehr informiert.
Es gibt ja schon Wege, wie man die CO2-Emissionen beim Bauen verringern kann. Mit meinem Programm möchte ich Anderen das Thema näherbringen und darauf aufmerksam machen, wie stark der Effekt für die Umwelt ist, wenn man zum Beispiel Holzhäuser anstelle von Häusern mit Betonfassade und Stahlskelett baut.

TB: Was war für dich die größte Herausforderung bei der Entwicklung der Software?

NvS: Es war sehr aufwendig, die Zahlen zu recherchieren. Zum Beispiel für die CO2-Emissionen von verschiedenen Gebäudetypen. Für die Formeln zur CO2-Berechnung, bei denen auch die Größe der Gebäude eine Rolle spielt, mussten die Zahlen ganz genau sein.

TB: Wie genau funktioniert dein Tool?

NvS: Man kann die Anteile von Straßen, Grünflächen und drei Gebäudetypen, die mehr oder eben weniger klimafreundlich sind, auswählen. Das Programm rechnet aus, wie viel CO2 durch den Bau der erstellten Stadt emittiert wird. Wie sich das Ergebnis verändert, erfährt man, indem man mit den Parametern herumexperimentiert.

Jugend forscht: "Interaktive Stadtplanung" – So sieht das Programm aus. | © Nicolas vom Scheidt

So sieht sein Programm aus.

TB: Wer soll die Simulationssoftware anwenden können?

NvS: Hauptsächlich sollen es Schülerinnen und Schüler anwenden. Man könnte das Programm zum Beispiel im Geographie-Unterricht benutzen. Ich habe vor, es auch öffentlich bereitzustellen, damit es jeder ausprobieren kann.

TB: Du hast mit deinem Programm auch verschiedene Experimente durchgeführt. Was war deine wichtigste Erkenntnis und was hat dich am meisten überrascht?

NvS: Ein Experiment hat gezeigt, wie sich die CO2-Bilanz einer Stadt ändert, wenn mehr Holzgebäude vorhanden sind. Das grundlegende Ergebnis meiner Software ist, dass Holzgebäude deutlich effizienter und klimafreundlicher sind und dass eine aus Holz gebaute Stadt negative Emissionen hat. Das ist meiner Meinung nach die wichtigste Erkenntnis.
Wirklich überrascht hat mich aber nichts, da ich ja schon viele Monate zum Thema recherchiert habe.

Jugend forscht: "Interaktive Stadtplanung" – nach dem Vorbild von New York. | © Nicolas vom Scheidt

Stadtplanung nach dem Vorbild von New York.

Jugend forscht: "Interaktive Stadtplanung" – Viele Parkflächen und wenige Einwohner: ein Hochhaus im Grünen. | © Nicolas vom Scheidt

Viele Parkflächen und wenige Einwohner: ein Hochhaus im Grünen.


TB: Gibt es schon Pläne für eine zukünftige Weiterentwicklung deines Programms?

NvS: Es gibt unfassbar viele Dinge, die ich so gerne noch einbauen würde. Einen automatischen Graphen-Generator zum Beispiel, der anzeigt, wie sich ein bestimmter Wert bei der Veränderung eines Parameters verändert. Oder ein Editiermodus, mit dem man die Städte individueller gestalten kann.
Außerdem habe ich noch viele Ideen, was ich verbessern könnte. Ich würde gerne noch

  • die Energiebilanz der Gebäude im Betrieb (nicht nur beim Bauen) erforschen und mitberechnen,
  • die CO2-Emissionen durch den Bau von Straßen berücksichtigen,
  • zwischen Büros und Wohnungen unterscheiden und die Verkehrsauswirkungen davon berücksichtigen,
  • die Kosten für den Bau der verschiedenen Gelände- und Gebäudetypen berechnen und anzeigen und
  • es möglich machen, ein Gebäude anzuklicken, und Informationen zu erhalten.

Im Moment arbeite ich an der Portierung meiner Software. Sie läuft bis jetzt nur auf Apple-Computern. Bald soll sie auch als App verfügbar sein und in Zukunft auch auf Geräten anderer Hersteller funktionieren.


Der Schüler hinter dem Programm

"Jugend forscht"-Landessieger in Bayern: Nicolas vom Scheidt | © Nicolas vom Scheidt
Nicolas vom Scheidt ist 14 Jahre alt und besucht die 8. Klasse des Maria-Theresia-Gymnasiums in München. Mit seiner Entwicklung „Interaktive Stadtplanung für Geographie-Experimente“ hat der Schüler die diesjährige „Jugend forscht“-Jury überzeugt. In Bayern wurde er zum Regional- und Landessieger gekürt. Vom Bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus gab es dann auch noch den Sonderpreis für das beste interdisziplinäre Projekt. Mehr zu seinem Projekt findet man hier auf der Website von „Jugend forscht“.

Wir wünschen Nicolas viel Erfolg bei der Weiterentwicklung seiner Software und danken ihm besonders für sein Engagement, jungen Menschen das Thema „Nachhaltiges Bauen“ näherzubringen.

„Jugend forscht“ gilt als der bekannteste deutsche Nachwuchswettbewerb zu den Themen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Ziel ist es, junge Talente zu finden und zu fördern.
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