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Klimapositiv ausgezeichnet: Stimmen aus der Praxis

Klimapositiv ausgezeichnet: Stimmen aus der Praxis

Ein Gebäude zu bauen und zu betreiben, ohne das Klima negativ zu beeinflussen, geht nicht? Doch, es geht! Und zwar schon heute. Auf der Expo Real 2019 hat die DGNB erstmals elf Projekte mit der neuen Auszeichnung „Klimapositiv“ prämiert. Wir haben mit Planern, Architekten und Bauherren dieser Gebäude gesprochen.

Ob Schule, Logistikgebäude oder Rathaus, die prämierten Leuchtturmprojekte der Nachhaltigkeit sind vielseitig. Allen gemein ist: Sie haben eine negative CO2-Jahresbilanz. Das heißt, sie sparen durch Eigenproduktion und Export von treibhausgasfreier Energie in Summe mehr Emissionen ein, als sie selbst verbrauchen. Dieser Mehrwert über die eigene Grundstücksgrenze hinaus macht sie zu Vorbildern, die für Qualität und Zukunftsfähigkeit stehen. Plus: Sie zeigen, was der Gebäudesektor heute schon zum Klimaschutz beitragen kann und geben Antworten auf das „Wie“.

Tipps für die Umsetzung: Holz und Low-Tech

Eine Antwort gibt Philipp Leube von F64 Architekten. Das Architekturbüro war verantwortlich für Planung und Bau des Elobau Betriebsgebäudes mit Produktionshalle und Büros in Probstzella sowie des Elobau Logistikgebäudes in Leutkirch. Beide wurden in Holzbauweise errichtet: „Holz bindet CO2 dauerhaft. Wer also mit Holz baut, startet schon mit einer positiven Energiebilanz. Wenn man dann noch einen energiepositiven Verbrauch hat, ist es gar nicht so schwer, das Ziel zu erreichen.“

Diese Vorteile hat auch Frank Schwindling vom Landkreis Augsburg genutzt. Mit dem Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf verfügt die Stadt über Europas größtes Gymnasium aus Holz. Markus Krauß von Transsolar ist einer der Planer der Volksbank-Filiale in Kirchheimbolanden. Er hat einen weiteren Tipp und wirkt dem verbreiteten Gedanken entgegen, dass nachhaltiges Bauen viel Technik benötige: „Das Spezielle an der Bank ist, dass sie ein Low-Tech-Gebäude ist. Es gibt Fensterlüftung, Betonkernaktivierung, effiziente Energieerzeugung über Wärmepumpen und Sonden. Das war’s eigentlich.“ Er appelliert bei der Planung an „den gesunden Menschenverstand“.

Entscheidender Effekt: Die Nutzer fühlen sich wohl

Die Projekte zeigen: Klimapositiv und Well-Being gehen Hand in Hand. Für Philipp Leube steckt in einer außergewöhnlich hohen Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität im Gebäude der wirkungsvollste Aspekt der Nachhaltigkeit. Konkret zeigt sich das zum Beispiel in der hohen Luftqualität. Die ist laut Architekt Bankwitz im Eisbärhaus in Kirchheim unter Teck so gut, dass sogar Allergiker keine Probleme haben. Er selbst ist Nutzer des mischgenutzten Wohn- und Geschäftshauses und kann demnach aus Erfahrung sprechen.

Klimapositiv heißt auch wirtschaftlich

So bedeutsam das Thema Klimaschutz ist, auch der wirtschaftliche Aspekt spielt für Bauherren eine zentrale Rolle, um sich für den klimapositiven Kurs zu entscheiden. Das sagt auch Prof. Michael Bauer von Drees & Sommer. Er war mit seinem Team am Rathaus Freiburg beteiligt: „Wir konnten aufzeigen, dass wir innerhalb von sieben bis zehn Jahren mit der Photovoltaik, mit der Grundwassernutzung, mit der sehr gut wärmegeschützten Fassade eine Wirtschaftlichkeit erreichen können, und damit war das Eis gebrochen.“ Den Lohn konnte die Stadt für ihr „kleines Kraftwerk“ nicht nur im effizienten Betrieb ernten. Im letzten Jahr gewann das Projekt den DGNB Preis „Nachhaltiges Bauen“.

Die Zukunft des Bauens ist klimapositiv

Neben der Verleihung diskutierte unsere Kollegin Dr. Anna Braune auf der Expo Real 2019 mit Vertretern aus Politik, Immobilienwirtschaft, Kommune und Planerschaft zum Thema „Klimapositive Gebäude“. Können wir das Ziel des klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050 noch erreichen?  Warum muss die Immobilienbranche mitziehen? Und was muss auf Seiten der Politik geschehen? Antworten auf diese und weitere Fragen können Sie in der folgenden Gesprächsrunde hören. Dass der klimapositive Kurs richtig und wichtig ist und Kräfte gebündelt werden müssen, da sind sich alle einig.

Weitere Interviews und Projekte

Alle weiteren Interviews der Reihe „Klimapositiv“ können Sie auf unserem Youtube-Kanal ansehen. Mehr Informationen zu den elf ausgezeichneten Projekten finden Sie auf dieser Übersicht.

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