DGNB Jahreskongress 2022, Klimaschutz
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Klimaresilienz – ein unterschätzter Bauaspekt

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Am 28. Februar wurde der aktuelle Bericht des Weltklimarats IPCC veröffentlicht. Er beschreibt den Klimawandel, seine Folgen und fordert dringendes Handeln. Neben der Bedeutung von Klimaschutz stellt er auch die Notwendigkeit heraus, Klimaresilienz bei Maßnahmen zu berücksichtigen. Mit einem eigenen Kapitel zu Städten, Siedlungen und Infrastruktur wird auch der Bausektor in die Verantwortung genommen. Aber welche Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz von Gebäuden und Flächen sind eigentlich vielversprechend?

BLOGSERIE ZUM DGNB JAHRESKONGRESS 2022 (TEIL 3)
Am 23. und 24. Februar veranstaltete die DGNB einen digitalen Jahreskongress. Das Motto: die zunehmend vielfältigen Diskussionen rund ums nachhaltige Bauen aufgreifen und zusammenführen. Neben Impulsen und persönlichem Matchmaking standen zahlreiche Gesprächsrunden auf dem Programm. In sieben Beiträgen fasst diese Blogserie die wichtigsten Botschaften der Themenräume zusammen. Im nächsten Beitrag geht’s darum,  wie Planende das richte Bauprodukt finden.

 

In Deutschland werden wir uns auf steigende Temperaturen durch den Klimawandel einstellen müssen. Das betrifft auch unseren Umgang mit Gebäuden und Infrastruktur. Derzeit sind viele Gebäude und Ortschaften (noch) nicht dafür gerüstet, Hitzestress und Niederschlagsvarianzen abzupuffern oder einen positiven Beitrag zum Stadtklima zu leisten. Im Themenraum „Richtig resilient? Wie Klimaanpassung im Kontext Bauen gelingt“ haben Jan Kohlmeyer, Leiter der Stabsstelle Klimaschutz der Landeshauptstadt Stuttgart, Markus Krauß, Projektleiter bei Transsolar Energietechnik GmbH, Markus Werner, Gründer und Beirat der MeteoViva GmbH sowie Seema Issar, Leiterin Gebäude im Betrieb / Sustainable Finance von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen dieses komplexe Themengebiet bei unserem DGNB Jahreskongress aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Die Moderation hat Anna Braune, Abteilungsleiterin Forschung und Entwicklung bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, übernommen.

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Der IPCC Report 2022 betont, wie wichtig Klimaresilienz von Gebäuden und Städten ist. Bild: “A Borrowed Planet – Inherited from our ancestors. On loan from our children.“ by Alisa Singer. © 2022 All rights reserved. Source: IPCC.

Durch den IPCC Report und die EU-Taxonomie, dem Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten, und dem Nachhaltigkeitsverständnis daraus erhält auch das Thema Klimaresilienz von Immobilien neuen Rückenwind. Doch wie wichtig klimagerechtes Bauen und Planen ist, zeigt sich auch bei einem Stadtspaziergang: Gebäude mit riesigen mehrseitigen Glasfronten, wenig Pflanzen, umso mehr Beton und Autos, die zur Hitzefalle werden – einen drückenden Stadtsommer hat sicher jeder schon erlebt. Laut Untersuchungen des Deutschen Wetterdienstes werden sich solche Hitzesommer zukünftig häufen. Wie aber werden Gebäude und Städte klimaresilient?

Vulnerabilitäten identifizieren

In Städten sind Hitzestress und Starkregenereignisse eine große Gefährdung. Der Deutsche Wetterdienst hat bereits für einige Städte Risikountersuchungen durchgeführt, die Veränderungen im Stadtklima oder klimawandelbedingte Extremereignisse aufzeigen. Auch für einzelne Gebäude gibt es Tools zur Naturgefahrenanalyse, mit deren Hilfe die speziellen Vulnerabilitäten ermittelt werden können. Daneben kann auch das persönliche Erleben Nachbesserungsbedarf im Bestand aufzeigen. So heizen sich nach Süden zeigende Räume mit großen Glasfronten ohne Sonnenschutz im Sommer unangenehm stark auf oder der Strombedarf ist so hoch, dass er mit erneuerbaren Energien nicht gedeckt werden kann.

Anpassungsmaßnahmen identifizieren

Von externem Sonnenschutz über Dachbegrünung bis hin zum Regenwassermanagement sind die möglichen Maßnahmen äußerst vielfältig. Auch der technische Fortschritt eröffnet in diesem weiten Feld neue Möglichkeiten – gerade im Bereich des Gebäudebetriebs, wie Markus Werner aus seinem Alltag weiß: Heutzutage sind Wettervorhersagen beispielsweise zuverlässig genug, um ein energieeffizientes Raumklimamanagement in Gebäuden danach zu planen. Das war in den 1990er Jahren noch unrealistisch.

Was den Energieverbrauch in Mehrparteien-Gebäuden und Quartieren angeht, können Synergieeffekte zur Senkung des Verbrauchs führen – beispielsweise durch eine verbesserte Abwärmenutzung. Markus Werner warnt jedoch, dass „wir mit reinen Einsparaktivitäten die Klimaziele niemals erreichen [werden]“. Es ginge auch darum, die Schwankungen in der Versorgung mit erneuerbaren Energien abzufedern.

Anpassungsmaßnahmen umsetzen

Bäume zu pflanzen, Regentonnen aufzustellen oder Wände zu begrünen kann bei Privat- oder Firmenbesitz deutlich schneller umgesetzt werden, als im öffentlichen Raum, wie Jan Kohlmeyer betont. So wichtig eine klimaresiliente Planung und Baugenehmigung im öffentlichen Raum ist, so sehr ist beim Thema klimaresilienter Städte und Gebäude auch jede*r Einzelne gefragt. Das schafft nicht nur lebenswerte urbane Räume, sondern trägt auch zur Langlebigkeit der Objekte bei.

Sie wollen mehr erfahren?

Unter folgendem Link finden Sie die komplette Aufzeichnung des Themenraums. Alle Impulse und Themenräume des DGNB Jahreskongresses 2022 stehen auf dem Youtubekanal der DGNB zur Verfügung.

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Titelbild-Collage (v.l.n.r.): © Marco Brugo auf Pixabay, © ID 652234 auf Pixabay, © Pavlofox auf Pixabay, © adege auf Pixabay, © PublicDomainPictures auf Pixabay

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