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Die Suche nach dem passenden Material – ein Dialog mit Herstellern

Materialwahl

Materialien spielen bei jedem Gebäude gestalterisch wie funktional eine tragende Rolle. Ihnen gilt bei jedem Projekt ein besonderes Augenmerk. Im Zuge des nachhaltigen Bauens müssen darüber hinaus ganz unterschiedliche Nachhaltigkeitsaspekte beachtet werden. Das erschwert den Entscheidungsprozess zusehends. Johannes Kreißig, Geschäftsführender Vorstand DGNB, hat im Rahmen des DGNB Jahreskongress 2022 zusammen mit Planern und Herstellern nach Lösungen gesucht.

BLOGSERIE ZUM DGNB JAHRESKONGRESS 2022 (TEIL 4)
Am 23. und 24. Februar veranstaltete die DGNB einen digitalen Jahreskongress. Das Motto: die zunehmend vielfältigen Diskussionen rund ums nachhaltige Bauen aufgreifen und zusammenführen. Neben Impulsen und persönlichem Matchmaking standen zahlreiche Gesprächsrunden auf dem Programm. In sieben Beiträgen fasst diese Blogserie die wichtigsten Botschaften der Themenräume zusammen. Im nächsten Beitrag geht es um die aktuell geführte ESG Debatte.

 

Ob CO2-Reduktion, Innenraumluft oder Recyclingfähigkeit – Materialien haben einen großen Einfluss auf die nachhaltige Beschaffenheit eines Gebäudes. Aber welches ist denn nun das richtige Bauprodukt, wie kann man es finden und gibt es das überhaupt? Diese Fragen warf Johannes Kreißig zu Beginn des von ihm moderierten Themenraumes „Materialwahl leicht gemacht? Wie Planende das richtige Bauprodukt finden“ beim DGNB Jahreskongress 2022 in die Runde.

Mit Angie Müller, Partnerin Behnisch Architekten Atelier Weimar, und Antonino Vultaggio, Senior Partner HPP Architekten Düsseldorf, hatte Kreißig zwei erfahrene Architekten auf dem Gebiet des nachhaltigen Bauens geladen. Den Gegenpart aus der Industrie bildeten mit Dr.-Ing. Winfried Heusler, Senior Vice President Global Building Excellence Schüco International KG, und Michael Scharpf, Head Sustainable Construction Holcim Germany, zwei ebenfalls vorausschauende Köpfe, die das Thema Nachhaltigkeit seit vielen Jahren im jeweiligen Unternehmen vorantreiben und dabei ehrgeizige Ziele verfolgen.

Die Herausforderungen bei der Materialwahl

Um wirklich nachhaltig zu planen, muss neben einem schlüssigen Energiekonzept auch das Thema Material bereits in den frühen Planungsphasen gedacht werden. Darüber waren sich alle einig. Im Gegensatz zu früher, als es vornehmlich um ästhetische und funktionale Aspekte ging, sind Themenfelder wie Recyclingfähigkeit, Gesundheit, Sozialverträglichkeit und Ressourcenschonung dazugekommen. Die Recherche nach passenden Materialien wird dadurch wesentlich aufwendiger und komplexer.

Erschwerend hinzu kommt die fehlende Transparenz am Markt. Jeder Hersteller verspricht mit seinem Produkt alle Kriterien der Nachhaltigkeit zu erfüllen. Für Planer ist es allein aus Zeitgründen ein Ding der Unmöglichkeit das richtige Produkt auszuwählen. Was aus Sicht der Architekten fehlt, ist eine einheitliche Datenbank auf die alle zugreifen können. Diese muss verständliche und belegbare Werte bereithalten um Materialien schnell und einfach bewerten zu können.

Wie reagieren die Hersteller darauf?

Der persönliche Kontakt und die damit verbundene Beratung sind aus Sicht von Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler eine wichtige Stellschraube. Setzt man sich schon zu Beginn der Planung zusammen, ist die Chance groß zunächst unabhängig von herstellerspezifischen Produkten die richtige Richtung einzuschlagen. Wird es konkret, bietet Schüco verschiedene Tools um das passende Produkt zu finden. Neben rund 500 anderen Unternehmen ist das Unternehmen zudem auf der unabhängigen Datenbank für Bauprodukte Plan.One vertreten.

Die Online-Plattform DGNB Navigator ist ebenfalls als Tool zur Planung und Bewertung bei der Auswahl von Bauprodukten im Kontext des nachhaltigen Bauens konzipiert.

Auch Michael Scharpf kann berichten, dass Holcim verifizierbare Daten liefert und sieht Hersteller klar in der Pflicht diese übersichtlich und für alle verständlich bereitzustellen. Auch dass Hersteller allein aus ökonomischer Sicht längst nicht mehr um eine Nachhaltigkeitsstrategie herumkommen gibt Scharpf preis. Wichtige Großkunden fordern bei der Umsetzung ihrer Großprojekte den Einsatz nachhaltiger Produkte. Und über den, von der DGNB anerkannten Concrete Sustainability Council, lässt sich seit Anfang des Jahres die CO2-Reduktion von Beton benchmarken. Das Verfahren ist ein erster Versuch, auch Planern die Möglichkeit zu geben, den Einsatz von Beton qualitativ zu bewerten.

Die Richtung stimmt

Die kurzweilige Gesprächsrunde hat gezeigt, dass sowohl Architekten als auch Hersteller im Grunde in dieselbe Richtung streben. Die Motivation den Markt transparenter und übersichtlicher zu machen ist da. Hier ist sicherlich noch etwas Geduld, aber auch beständiges Nachfragen seitens der Planer von Nöten.

Und die Essenz der vier Abschluss-Statements verdeutlicht, worauf es beim Planen übergeordnet ankommt: Trotz aller Herausforderungen darf nicht vergessen werden, dass es in der Architektur immer darum geht etwas Schönes zu schaffen. Qualitativ hochwertig gestaltete und ausgeführte Gebäude werden gerne und lange genutzt und sind somit nachhaltig.

Hilfe zur Selbsthilfe

Phase NachhaltigkeitDie von der DGNB und der BAK ins Leben gerufene Initiative Phase Nachhaltigkeit bietet Architekten und Planern einen niederschwelligen Einstieg in die Materie. Denn zumindest um ein Grundlagenwissen kommt heute niemand mehr herum. Die Teilnahme ist kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie, als Architekturbüro dabei sind. Hier geht es zum Anmeldeformular.

Unter anderem werden im Rahmen der Initiative aktuelle Themen aufgegriffen und unter dem Motto voneinander lernen gemeinsam mit Kollegen und Experten diskutiert. Ganz aktuell findet eine Workshopreihe zur Entwicklung so genannter „Mehrwerttabellen für Bauprodukte“ statt. Ziel ist es, die wichtigsten Informationen und Daten von Herstellern auf einer zentralen Plattform zu bündeln. Produkte lassen sich damit schnell und glaubwürdig einschätzen.

Sie wollen mehr erfahren?

Unter folgendem Link finden Sie die komplette Aufzeichnung des Themenraums. Alle Impulse und Themenräume des DGNB Jahreskongresses 2022 stehen auf dem Youtubekanal der DGNB zur Verfügung.Materialwahl

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