DGNB, Diskurs, Nachhaltiges Bauen
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Nachhaltige Architektur der Zukunft: Drei Perspektiven

Jürgen Engel, Tom Kaden und Amandus Samsøe Sattler sind drei überzeugte Verfechter der nachhaltigen Architektur mit langjährigen Erfahrungen in der praktischen Umsetzung. Im Rahmen der Expo Real 2018 trafen sie zusammen und diskutierten über ganzheitliche Innovationen, die Renovation von Bestehendem und das erste Holzhochhaus in Deutschland.

In einem waren sich die drei Architekten einig: Mit den Begriffen „Smart Cities“ und „Smart Home“ können sie wenig anfangen. Jürgen Engel vermisst bei den Schlagworten konkrete Inhalte: „Das sagt alles und nichts. Das gehört hinterlegt.“ Tom Kaden hält sich besser fern von den für ihn modischen Entwicklungen: „Ich bin da relativ skeptisch. Wir betrachten das ganz nüchtern. Die Technik in unseren Gebäuden ist eher zurückhaltend.“ Er und sein Team versuchten vielmehr, „intelligente“ Gebäudehüllen“ mit „intelligenten“ Materialien herzustellen. Und auch Amandus Samsøe Sattler pflichtete ihm bei. Er warf den Begriff der „reduktiven Moderne“ in die Runde und plädierte für „Häuser, die wenig brauchen.“

Diskutieren vor einem interessierten Messepublikum: Jürgen Engel, Tom Kaden, Amandus Samsøe Sattler und Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB (v. l. n. r.)

Dafür unterschieden sich Engel, Kaden und Sattler in ihren Ansätzen für eine nachhaltige Architektur der Zukunft.

Mehr ganzheitliche Innovationen

Jürgen Engel, Geschäftsführender Gesellschafter von KSP Jürgen Engel Architekten, wünscht sich für die Zukunft, dass Architekten sich mit jedem Bauwerk individuell auseinandersetzen und nicht Kataloghäuser für alle Fälle entwerfen. Architektur sollte sich verstärkt ganzheitlichen Innovationen widmen. Dazu müsse man auch wieder verstärkt in Forschung und Architekturstudien investieren. Als Vorbild ganzheitlicher Innovationen stellte er u. a. das Berliner Bürogebäude HumboldtHafenEins vor, welches 2015 mit dem DGNB Zertifikat in Platin ausgezeichnet wurde.

Jürgen Engel stellt innovative Architektur vor.

Holz – der Baustoff der Zukunft

Tom Kaden vom Architektenbüro Kaden+Lager GmbH ist von Holz als Baumaterial der Zukunft überzeugt, auch wenn der Anteil der mit Holz gebauten mehrgeschössigen Häuser derzeit nur bei 3,5 Prozent liegt. Nachhaltige Architektur müsse zum Ziel haben, den kleinsten ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen, der beim Bauen möglich ist. Kaden verwies auf die Endlichkeit des Sandes. Holz hingegen wachse nach und speichere zudem CO2. Das erste Holzhochhaus Deutschlands hat Kadens Architekturbüro entworfen.

Bestehendes erhalten

DGNB Präsidiumsmitglied Amandus Samsøe Sattler, Gründungspartner bei Allmann Sattler Wappner Architekten, setzte sich mit viel Leidenschaft dafür ein, bestehende Gebäude zu erhalten und nicht einfach abzureißen. Als Gründe nannte er den unnötigen Verbrauch der Grauen Energie und den Respekt vor der baukulturellen Leistung. Für ihn geht es bei der nachhaltigen Architektur der Zukunft darum, nicht immer nur mehr Neues in die Welt zu bringen, sondern durch „Renovation“ Bestehendes länger zu nutzen. Als visionäres Projekt präsentierte er eine mögliche Umnutzung der Paketposthalle in München.

Wenn Sie neugierig geworden sind und wissen wollen, warum Fassadenbegrünung das „pure Gold“ ist, warum die Impulse für nachhaltiges Bauen vor 20 Jahren stärker von Architekten ausgingen als heute, und ob das Architekten-Trio nach Fertigstellung ihrer Gebäude mit den Nutzern in Dialog treten, dann schauen Sie die komplette Diskussionsrunde im Video an.

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