Architektur, Nutzungsprofile
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Nachhaltiger Alchemismus

Die 5000. Zertifizierung war für die DGNB ein echter Meilenstein. Und was für ein Projekt wurde unter dieser besonderen Prämisse ausgezeichnet? Eine seltene, aber besondere Gebäudenutzung: ein Labor. Grund genug, sich nachhaltige Labore einmal genauer anzusehen.

Das Nutzungsprofil für Labore wurde von der DGNB und dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung konzipiert. Eine Besonderheit an Laborgebäuden ist z.B. der hohe Anteil an Prozessenergiebedarf. Ein gut durchdachtes Versorgungskonzept ist also eine wichtige Grundlage für eine Zertifizierung.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf einem zwingend vorzulegenden Sicherheits- und Abfallkonzept. So wird gewährleistet, dass keine problematischen Stoffe ungeschützt in die Umwelt gelangen können.

Labore zwischen Berlin und Shanghai

DGNB zertifizierte Labore existieren zwischen Berlin und Shanghai weltweit. Die Art der Labore reicht dabei von Zentren für Photovoltaik bis zu Forschungseinrichtungen großer Chemiekonzerne. Ein ganz besonderes Labor wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) errichtet: das SpaceLIFT am Hochschulcampus Bremen. Hier werden Kompaktsatelliten und andere Raumfahrtgeräte gebaut. Deutschland ist ein wichtiger Partner für die Erforschung der Erde aus dem All, rund 2.200 aktive Satelliten im Erdorbit liefern Daten. „Ohne diese Daten würden wir den Klimawandel und andere Umweltveränderungen heute nicht annähernd so gut verstehen wie wir es tun“, sagt Jörn Hoffmann, Projektleiter im DLR Raumfahrtmanagement.

Ansprechende Innenraumgestaltung: Das SpaceLIFT ist teilweise auch für Besucher geöffnet. © Yohan Zerdoun

Auch architektonisch zeigt sich das Gebäude ambitioniert: ähnlich einem Hitzeschutzschild von Spaceshuttles erhielt die Fassade eine Hülle aus eigens entwickelten Keramikkacheln, die anhand eines speziell gestalteten Verlegesystems auf der wärmedämmenden Hülle befestigt wurden.

Eine Hülle wie ein Spaceshuttle: das SpaceLIFT in Bremen. © Yohan Zerdoun

Im nachhaltigen Labor kommt vieles zusammen

Eine DGNB Zertifizierung für nachhaltige Labore stellt generell das Gebäude und dessen Organisation in den Mittelpunkt. Die Ausrüstung und Arbeitsweise ist jedoch ebenfalls von großer Wichtigkeit für nachhaltig ausgeführte Laborforschung. Und da Labortechnik von DIN- und EN- Standards geprägt ist, entsprechende Standards und Labels aber häufig kaum Nachhaltigkeit adressieren, lohnt hier ein gesonderter Blick.

Mit ca. 8.000 Quadratmeter Nutzfläche viel Platz für die Forschung: das Zentrum für Photovoltaik in Berlin. © WISTA-MANAGEMENT GMBH

Die Europäische Gesellschaft für nachhaltige Labortechniken e.V. (EGNATON) widmet ihr Engagement ganz der nachhaltigen Labortechnik. Geschäftsführer Egbert Dittrich: „Ohne eine nachhaltige Umgebung können Wissenschaftler nur schwerlich nachhaltig forschen. Es gibt zwar Trends in der Wirtschaft, so haben Gerätehersteller in den vergangenen Jahren verstärkt auf energiesparende Ausführung gesetzt, doch es benötigt einen unabhängigen Blick, um sämtliche Parameter zu fassen und einzuordnen.“ EGNATON bietet eine eigene Zertifizierung an, die sich im Gegensatz zum DGNB System weniger mit dem Gebäude, sondern mit der Ausrüstung, Prozessen und Arbeitsweisen befasst.

Sehr gute Performance: Das BASF-Labor in Ludwigshafen wurde in Gold zertifiziert. © BASF SE

Wie viele Sphären in einem Labor zusammenkommen können, wie komplex also die Bewertung ist, zeigt auch das SpaceLIFT: Bereiche mit Reinraumtechnik (also Räume, in denen die Konzentration luftgetragener Teilchen sehr gering ist), Explorationslabore für Forschung im Kontext von Staubbelastung und ein Kryolabor zur Erforschung kryogener Flüssigkeiten (also Flüssigkeiten mit extrem tiefen und tiefsten Temperaturen) mussten in einem Gebäude mit einer Ausstellung und Besucherbereichen angesiedelt werden.

Nachhaltige Labore sind also, nicht nur im Fall von SpaceLIFT, kleine Universen.

Kategorie: Architektur, Nutzungsprofile

von

Witold Buenger

Witold Buenger arbeitet bei der DGNB im Marketing und ist Projektleiter Produktkommunikation. Themen und Leistungen ansprechend und zielgruppengerecht aufzubereiten, auch Sonderthemen unterhaltsam und verständlich darzustellen, ist dabei ein Schlüssel zum erfolgreichen Arbeiten. Er studierte Medien- und Musikwissenschaft und arbeitete nach seinem Verlagsvolontariat in verschiedenen Unternehmen und Redaktionen.

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