DGNB, DGNB System Version 2018
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Planung in frühen Phasen, oder: Warum die Projektvorbereitung ein Schlüssel zur Nachhaltigkeit ist

Ohne gründliche Vorbereitung geht es nicht. Das gilt besonders beim Bau. Für ein hochwertiges Gebäude sind die frühen Planungsphasen entscheidend. Die Relevanz der verschiedenen Planungsaspekte für das nachhaltige Bauen adressiert die DGNB unter anderem in den Kriterien „Qualität der Projektvorbereitung“, „Sicherung der Nachhaltigkeitsaspekte in Ausschreibung und Vergabe“ und „Verfahren zur städtebaulichen und gestalterischen Konzeption“.

Ein essentieller Baustein für ein gutes Gebäude ist die integrale Planung. Setzen sich die Verantwortlichen so früh als möglich an einen Tisch, können sie gemeinsam Lösungen entwickeln und die richtigen Entscheidungen treffen. Deshalb wird dies und die wichtige „Phase 0“ im Zertifizierungssystem der DGNB belohnt.

Bedarfsplanung, Pflichtenheft und die Information der Öffentlichkeit

Im Kriterium „Qualität der Projektvorbereitung“ bewertet die DGNB drei Indikatoren, die sicherstellen, dass das Projekt bestmöglich vorbereitet wird. Der erste Faktor ist, seinen tatsächlich Bedarf überhaupt einmal zu ermitteln. Die DGNB bietet im Kriterium eine Vorlage für eine umfassende Bedarfsplanung mit zehn Themenblöcken, darunter „Finanzieller und zeitlicher Rahmen“, „Grundstück und Umgebung“ und „Wirkungen auf die Umwelt“. Positiv fließt in die Bewertung zudem ein, wenn für die Bedarfsplanung Marktanalysen, Umweltverträglichkeitsstudien, Standortgutachten oder Kostenschätzungen durchgeführt werden.

Mit Baustellenbesichtigungen kann die Öffentlichkeit informiert werden.

Damit die Anforderungen, Wünsche und Bedürfnisse Realität werden, sollte ein Pflichtenheft erstellt werden. Darin werden Verantwortlichkeiten definiert, wesentliche Planungsphasen benannt und Planungsziele formuliert. Dies hilft, den Überblick zu behalten und Verbindlichkeiten zu fixieren. Zudem bewertet es die DGNB positiv, wenn für das Pflichtenheft konkrete Ziele für verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte erarbeitet wurden.

Zu einer guten Vorbereitung gehört, die Öffentlichkeit aus dem Umfeld zu informieren. Dies kann geschehen in Form von öffentlichen Baustellenbesichtigungen, Informationsveranstaltungen, Aushängen mit wesentlichen Informationen zum Projekt, Wurfsendungen oder direkten Anschreiben in der Nachbarschaft, auf denen z.B. Ansprechpartner für Rückfragen benannt sind. Solche Partizipationsprozesse sollen dazu beitragen, dass die Akzeptanz bei den Anwohnern und/oder späteren Nutzern steigt. Zudem können so relevante Bedürfnisse und Impulse aus diesem Dialog frühzeitig in die Planung eingebunden werden.

Nachhaltigkeitsanforderungen in Ausschreibung integrieren

Von Anfang an seine Wünsche und Erwartungen präzise festzulegen – dies ist auch wichtiger Teil des Kriteriums „Sicherung der Nachhaltigkeitsaspekte in Ausschreibung und Vergabe“. Wer bereits in die Ausschreibung Nachhaltigkeitsaspekte integriert, sorgt dafür, dass die entsprechenden Kompetenzen in einem späteren Planungs- und Bauprozess auch vorhanden sind und die Vergabeentscheidungen nicht ausschließlich aus ökonomischen Gesichtspunkten getroffen werden. So möchte die DGNB darauf hinwirken, dass beispielsweise die Anforderungen an die eingesetzten Bauprodukte nach umwelt- und gesundheitsverträglichen Gesichtspunkten formuliert werden. Eine spezifisch auf die verschiedenen Gewerke bezogenen Formulierung der Anforderungen wird durch eine zusätzliche Belohnung explizit gefördert. Es geht aber noch konkreter: So lässt sich eine Liste mit Empfehlungs- und Ausschlusskriterien für die Auswahl von Bauprodukten der Ausschreibung beifügen. Ebenso lassen sich Wünsche angeben, was Dauerhaftigkeit, Reinigungs– und Instandhaltungsfreundlichkeit oder Rückbaufähigkeit angeht. Wer in der Ausschreibung fordert, dass Recyclingmaterialien verwendet werden, wird mit Bonuspunkten in der Zertifizierung belohnt.

Planungsbegleitende Handlungsempfehlungen

Neben den technischen Aspekten stellt die gestalterische Qualität im Nachhaltigkeitsverständnis der DGNB einen wichtigen Bestandteil dar. Vor diesem Hintergrund unterstützt die DGNB hierbei zwei verschiedene Ansätze, die im Kriterium „Verfahren zur städtebaulichen und gestalterischen Konzeption“ bewertet werden. Eine Herangehensweise: Die Durchführung eines Architektenwettbewerbs. Dies fördert die Qualität der Entwürfe und ermöglicht dem Bauherrn, aus der Vielfalt an Lösungen die geeignetste für die vorliegende Bauaufgabe auszuwählen.

Das 50Hertz Netzquartier in Berlin erhielt im Oktober 2016 als erstes Gebäude weltweit die Auszeichnung „DGNB Diamant“.

Alternativ oder zusätzlich bietet die DGNB an, sich durch ein unabhängiges Gestaltungsgremium beraten zu lassen. Diese Kommission für Gestaltungsqualität setzt sich aus erfahrenen Architekten zusammen, die Impulse zur Optimierung der Gestaltungsqualität geben. In einer offenen Diskussion zwischen der Kommission und dem entwerfenden Architekten werden Handlungsempfehlungen abgeleitet, die als Orientierung für die weitere Planung dienen können. Zusätzlich honoriert die DGNB die Projekte, die nach ihrer Fertigstellung mit dem DGNB Diamanten oder einem Architektenpreis ausgezeichnet wurden.

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