DGNB, DGNB System Version 2018
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Gebäude als Rohstofflager, oder: Wie sich beim Bau Ressourcen sparen lassen

Für den Bau von Gebäuden werden weltweit ein Drittel aller Ressourcen benötigt. Wo viel verbraucht wird, kann viel eingespart werden. Die Kriterien des DGNB Systems „Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit“, „Trinkwasserbedarf und Abwasseraufkommen“, „Verantwortungsbewusste Ressourcengewinnung“ und „Flächeninanspruchnahme“ setzen hier an.

Nachhaltigkeit zeigt sich daran, wie mit Ressourcen umgegangen wird. Deshalb ist es nur konsequent, dass die Circular Economy von Anfang an eines der Kernthemen des DGNB Systems ist. Der Begriff bezeichnet einen so gut wie verlustfreien Kreislauf, der es ermöglicht, eingesetzte Materialien nach erreichtem Eigennutzen den Folgegenerationen möglichst ohne Einbußen zur Verfügung zu stellen. Damit lässt sich der Abbau von natürlichen Ressourcen auf ein Minimum reduzieren, bestenfalls sogar ganz darauf verzichten.

Der Umgang mit Ressourcen taucht im Detail an vielen Stellen des DGNB Systems auf. Vier Beispiele zeigen, wie Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit zusammenspielen.

Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit

Lassen sich Bauteile leicht demontieren und sortenrein trennen?

Damit Gebäude keine temporären Deponien für zukünftige Abfälle sind, sondern „Zwischenlager“ für zukünftige Baustoffe – und damit zur lukrativen Wertanlage werden – macht sich die DGNB für eine Steigerung der aktuellen Materialeffektivität stark. Deshalb wird es im Kriterium „Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit“ positiv bewertet, wenn recyclingfreundliche Baustoffe gewählt werden. Ebenso fließt in die Bewertung ein, wenn sich Bauteile leicht demontieren und sortenrein trennen lassen. Die DGNB vergibt Punkte, wenn Überlegungen dazu bereits in frühen Planungsphasen angestellt werden.

Werden wiederverwendete Bauteile eingesetzt, gibt es einen Circular Economy Bonus. Dieser wird auch vergeben, wenn ganz auf Bauteile verzichtet wird. Bei dieser Lösung liegt ein weiterer Vorteil auf der Hand: Wer weniger Material einsetzt, spart Kosten. Für die Nutzer wiederum sind positive Effekte in der Betriebsphase zu erwarten – mit teils deutlich geringeren Aufwänden beziehungsweise Kosten für Modernisierungsarbeiten, Instandhaltung oder Umbau.

Verantwortungsbewusste und transparente Ressourcengewinnung

Werden Rohstoffe abgebaut, soll dies verantwortungsbewusst geschehen.

Der Vorsatz, nahezu keine Primärressourcen für Bau und Unterhalt von Gebäuden zu benötigen, lässt sich nicht immer umsetzen. Für diesen Fall sollte auf Materialien zurückgegriffen werden, deren Rohstoffgewinnung und Verarbeitung anerkannten ökologischen und sozialen Standards entsprechen. Die DGNB will somit Umwelt- und Sozialschäden minimieren und sicherstellen, dass niemand auf der Welt für die Ressourcengewinnung gelitten hat. Das heißt: Keine Kinder- und Zwangsarbeit in Steinbrüchen, kein illegaler Rohstoffabbau, keine Gefährdung des Grundwassers beim Abbau mit eingesetzten Chemikalien, etc. Je mehr der im Gebäude eingebrachten Rohstoffe verantwortungsbewusst gewonnen oder durch Sekundärrohstoffe ersetzt werden, desto besser fällt die Bewertung im Kriterium „Verantwortungsbewusste Ressourcengewinnung“ aus.

Die DGNB will mit diesem Kriterium zudem dazu beitragen, Produkte zu fördern, die hinsichtlich ökologischer und sozialer Auswirkungen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg transparent sind. Eine verbesserte Transparenz trägt dazu bei, gewonnenes Know-How einer nachhaltigen und sozial akzeptablen Rohstoffgewinnung weiter auszubauen und so Missständen entgegenzuwirken.

Wasser sparen

Der lebensnotwendigen Ressource Wasser widmet die DGNB ein eigenes Kriterium. Um hochwertiges Trinkwasser zu erhalten, wird Wasser täglich den natürlichen Kreisläufen entnommen, aufwendig aufbereitet und genutzt. Das entstehende Abwasser muss anschließend von Schadstoffen und Verschmutzungen geklärt werden, bevor es wieder in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt wird. Diesen natürlichen Wasserkreislauf zu erhalten ist eines der Ziele des Kriteriums „Trinkwasserbedarf und Abwasseraufkommen“.

Kann statt Trinkwasser mit Regenwasser bewässert werden?

Ein weiteres Ziel ist es, den Trinkwasserbedarf zu reduzieren. In der Regel ist dabei der Nutzer die ausschlaggebende Größe. Sinnvoll kann es sein, eine wassersparende Technik einzusetzen. Daneben fließt positiv in die Bewertung ein, wenn Regenwasser oder Grauwasser, also gering verschmutzte Abwasser, etwa für Toilettenspülung oder Reinigung genutzt werden. Zudem belohnt es die DGNB mit Punkten, wenn nicht mit Trinkwasser bewässert wird oder wenn es an Außenanlagen eine Vorrichtung zur Drosselung oder Rückhaltung von Regenwasser gibt. Von Vorteil ist es, wenn das Regenwasser nicht als Abwasser entsorgt werden muss, sondern auf dem Grundstück versickern kann. Hier können sich Gründächer oder Pflasterflächen positiv auf die Bewertung auswirken.

Wer die Anreize dieses Kriteriums umsetzt, profitiert noch an anderer Stelle. Wer weniger Trinkwasser verbraucht, spart laufende Kosten. Darüber hinaus wird man unabhängiger von Preisschwankungen und Verfügbarkeiten, wenn man Abwässer wiederverwertet und lokale Ressourcen wie Brunnen oder Regenwasser nutzt.

Nachverdichtung statt Brachflächen

Oft ist es gar nicht nötig, Flächen neu zu erschließen. Die DGNB bewertet es positiv, wenn auf Brachflächen gebaut wird, wenn Baulücken geschlossen oder Siedlungen nachverdichtet werden. Wird das Gebäude auf einer vormals belasteten Fläche errichtet, die damit wieder nutzbar gemacht wird, belohnt das die DGNB im Kriterium „Flächeninanspruchnahme“ mit einem Circular Economy Bonus.

Der sparsame und schonende Umgang mit Grund und Boden ist nicht nur aus ökologischer Sicht notwendig. Vor dem Hintergrund steigender Infrastrukturkosten ist auch eine ökonomische Betrachtung sinnvoll, da dies zu geringeren Erschließungsbeiträgen und Abwassergebühren sowie zu einer Verbesserung des Mikroklimas führen kann. Ziel dieses Kriteriums ist es deshalb, zusätzliche Inanspruchnahme von Flächen für bauliche Nutzungen zu verringern und die Bodenversiegelung nicht bebauter Flächen zu begrenzen.

1 Kommentare

  1. Stefan Oehler sagt

    Wenn man den Ressourcenverbrauch in Zusammenhang mit dem Overshoot Day sieht, der in Deutschland am 2. Mai erreicht war, dann bedeutet das ganz konkret:

    – der Ressourcen Verbrauch muss um 69 % reduziert werden
    – also 2/3 weniger Materialverbrauch
    – Sanierung statt Neubau
    – Gebäude nicht 40 sondern 120 Jahre nutzen
    – 66 % Material werden bei Sanierungen gegenüber Neubauten eingespart (VDI 2018)
    – 50 % des Müllaufkommens (209 Mio. to) sind Bau- und Abbruchabfälle (destatis 2017)

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