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Schluss mit „Ja, aber“ – Fakten statt Vorbehalte

Die Idee des nachhaltigen Bauens findet allgemeinen Zuspruch und dennoch sind große Teile der Bau- und Immobilienbranche mit einem „Ja, aber“ auf den Lippen zögerlich bei der Umsetzung. Die DGNB nimmt in einer neuen Publikation die gängigsten Vorbehalte unter die Lupe.

Nachhaltigkeit in der Baubranche ist gut und richtig. Da sind sich irgendwie alle einig. Aber es ist doch nur etwas für einige tolle Leuchtturmprojekte, nichts für den breiten Markt. Außerdem ist das alles doch „viel zu teuer und aufwendig“. Und wenn man sich an die gesetzlichen Anforderungen strikt hält, ist doch schon genug getan.

Zum Download und Bestellen: Kein „Ja, aber…“ mehr

Eines ist sicher: Würden wir alle so denken und handeln, würden wir in puncto Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf der Stelle treten – wenn überhaupt. Warum viele dieser eingefahrenen Denkmuster auf wenig sattelfesten Vorbehalten basieren, hat die DGNB in einer neuen Publikation aufgelöst. Zu finden sind darin Denkanstöße und jede Menge Fakten, warum es an der Zeit ist, die gebetsmühlenartig wiederholten „Ja, aber“-Argumente endlich ad acta zu legen. Hier einige Beispiele:

„Ja, das Gebäude riecht, aber es ist doch auch neu…“

Während in der Lebensmittelindustrie der Wandel zu unbehandelten Produkten und weg von Plastik vom Trend weniger zu einem Lifestyle vieler wurde, ist im Bauen kaum bekannt, was für einen Einfluss Gebäude und die darin verwendeten Materialien auf uns haben. Besonders dem „Lebensmittel“ Luft wird kaum Beachtung geschenkt, unverständlich, wenn man bedenkt, dass wir uns bis zu 90 Prozent unserer Zeit in Gebäuden aufhalten.
Zertifizierungssysteme wie das der DGNB achten bewusst darauf, dass die Innenraumluftqualität gewisse Grenzwerte nicht überschreitet. Warum? Schadstoffe würde keiner von uns bewusst essen, warum dann also einatmen?

„Ja, aber wir bauen doch bereits energieeffizient …“

Energieeffizienz allein macht noch kein nachhaltiges Gebäude. So gehört zum Beispiel die Materialeffizienz zu den am meisten unterschätzten Stellschrauben. In Deutschland waren 2018 bereits am 2. Mai die nachhaltig nutzbaren Ressourcen für das Jahr verbraucht (Earth Overshoot Day). Gleichzeitig explodiert das Abfallaufkommen. Baumaterialien gehören seltener entsorgt und häufiger in eine Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) zur Wieder- oder Weiterverwendung geleitet.
Vergessen wird oft auch, dass Nachhaltigkeit über die Themen Klima und Umwelt hinausgeht, wie eine Umfrage der DGNB unter den bisherigen Auftraggebern von DGNB-zertifizierten Projekten zeigt. Zwei Drittel gaben an, dass sie auf eine nachhaltige Qualität setzen, um das Wohlbefinden und die Produktivität der Mitarbeiter zu steigern.

„Ja, aber wir halten uns doch an Gesetze…“

Wirklich weitsichtig ist es nicht, wenn man sich bei einem Gebäude mit einer Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren nur an den aktuell gültigen Normen orientiert. Eine vorzeitige Sanierung und zusätzliche Investitionskosten sind quasi vorprogrammiert.
Und eines ist jetzt schon klar: Halten wir uns in der Baubranche weiterhin nur daran, rein die in den Gesetzen verankerten Mindestanforderungen zu befolgen, dann werden zum Beispiel die Klimaschutzziele der Bundesregierung meilenweit verfehlt. Die Umweltfolgekosten würden ansteigen, und die Allgemeinheit zahlt am Ende auf Kosten des eigenen Wohlstands die Zeche.

Wer beim Bauen nur die gesetzlichen Mindeststandards berücksichtigt, würde bei einer DGNB Zertifizierung einen Erfüllungsgrad von rund 12 Prozent erreichen.

Zum Vergleich: Im Durchschnitt erhalten DGNB zertifizierte Bürogebäude eine Gesamtbewertung von rund 74 Prozent.

 

 

 

 

 

 

 

„Ja, aber die Kosten…“

DGNB-zertifizierte Projekte belegen, dass die Mehrkosten für nachhaltige Maßnahmen, die im Zuge einer Zertifizierung umgesetzt wurden, deutlich davon abhängen, wann diese Maßnahmen im Planungs- und Bauprozess angestoßen wurden. Wer früh anfängt, zahlt praktisch nichts drauf, wobei diese Kosten im Vergleich zu den Gesamtkosten eines Projekts ohnehin gering ausfallen.
Feststellen lässt sich, dass nachhaltiges Bauen die Betriebskosten verringert, die über die Nutzungsdauer von Gebäuden in etwa mit den Baukosten gleichzusetzen sind. Das steigert die Attraktivität von nachhaltigen Gebäuden und erhöht die Nachfrage von Investoren, Mietern und Kunden. Zukunftsfähige Gebäude sichern außerdem eine langfristige Wertstabilität. Nachhaltiges Bauen überzeugt also auch ökonomisch.

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