Impuls, Sustainable Finance
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Uns geht die Zeit aus – warum die BEG-Neubauförderung richtig ist

Dr. Christine Lemaitre

Seit Tagen muss man auf allen Kanälen diverse Aufschreie, Ermahnungen und Sorgen rund um die Anpassung der BEG-Förderung von Neubauten ertragen. Die Kritik zur Neuregelung, dass Fördergelder nur noch unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten zu bekommen sind, ist ebenso vielfältig wie die Themen des nachhaltigen Bauens. Die Haltung, mit der dies erfolgt, möchten wir nicht mehr unkommentiert stehen lassen.

Es ist traurig und auch ärgerlich, – und das muss gleich zu Anfang festgehalten werden – wie versucht wird das längst überfällige Umsteuern unserer Fördersystematik und die inhaltliche Neuausrichtung hin zu ganzheitlichem Klimaschutz und zukunftssichereren Gebäuden im Keim zu ersticken, ohne eine Umsetzung überhaupt versucht zu haben. Unfreiwillig sieht man einem eigenartigen Schauspiel des gegenseitigen Übertrumpfens in Empörung und Warnung zu.

Natürlich war der Prozess nicht ideal. Aber eine „große Transformation“, von der so oft so gerne gesprochen wird, geht nicht immer reibungslos vonstatten. Auf den Konferenzen wird immer die Dringlichkeit angemahnt und Disruption gefordert. Jetzt passiert diese im Kleinen und das Entsetzen ist riesig! Ein Entsetzen von Akteuren und Organisationen, die in den letzten Jahren oft das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit aufgesogen und sich in Commitments gesonnt haben. Es stellt sich die Frage, ob dies alles nur Lippenbekenntnisse waren. Denn jetzt, wenn es ans Handeln geht, scheint von den Themen nicht viel übrig geblieben zu sein.

Förderung muss eine Lenkungswirkung haben

Die Klagerufe kommen hauptsächlich aus zwei Richtungen, über die man sich ärgern oder auch nur erstaunt sein kann. Die eine fußt auf einem fragwürdigen inhaltlichen Verständnis. Denn worum geht es? Geht es wirklich darum, mit möglichst wenig Aufwand, möglichst viel an Förderung zu bekommen? Woher kommt diese Anspruchshaltung, Geld für etwas bekommen zu wollen, was nicht die nötigen Effekte erzielt, um auf den erforderlichen Klimapfad zu kommen? Förderung muss eine Lenkungswirkung haben, sonst macht sie keinen Sinn. Schließlich geht es ja um Steuergelder. Darüber hinaus ist der Sinn der Förderung, zukunftsweisende Lösungen zu ermöglichen, die sonst (noch) nicht umgesetzt werden.

Leider scheint den Kritikern auch nicht klar zu sein, was es bedeutet, dass die Neuausrichtung unter anderem auf der Lebenszyklusbetrachtung basiert. Das ist nämlich ein Zeichen des Erfolgs! Vor Jahren lag das Verhältnis der CO2-Emissionen aus der Herstellung der Bauprodukte (graue Emissionen) und den betriebsbedingten CO2-Emissionen über 50 Jahre noch bei 20:80. Heute verursacht ein effizientes Gebäude mit Effizienzklasse 40 bereits über die Hälfte der Emissionen bei der Herstellung. Die grauen Emissionen sind einfach nicht mehr vernachlässigbar, wenn man eine klimaneutrale Gesellschaft anstrebt. Das ist ein Erfolg! Jetzt geht es darum, diese Emissionen weitestgehend zu minimieren, durch verbesserte Herstellprozesse, sparsamer Verwendung und gezieltem Einsatz CO2-armer Produkte. Man sollte das einfach mal von der positiven Seite betrachten: Wir sind doch auf dem richtigen Weg!

DGNB ist falsche Adresse für Fundamentalkritik

Die zweite Richtung, aus der die Wehklagen kommen, zielt aktiv auf die Rolle der DGNB in diesem Zusammenhang ab. Sie wird als Lobbyorganisation abgestempelt, als profitgetriebenes Unternehmen, dessen wichtigstes Ziel es ist, möglichst viele Zertifizierungen zu verkaufen. Zur Einordnung für alle, die die DGNB nicht kennen: Wir sind eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die sich dem Gemeinnutz verpflichtet hat. Die DGNB GmbH, über die sowohl die Zertifizierung als auch die DGNB Akademie läuft, ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Vereins. Unser Wirken ist nicht politisch motiviert. Die DGNB verfolgt das Ziel, die Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft hin zu nachhaltigem Planen, Bauen und Betreiben unserer gebauten Umwelt aktiv zu gestalten. Nicht aus wirtschaftlichen Interessen, sondern aus der festen Überzeugung und dem Wissen, dass dies der richtige und einzige Weg ist. Mehr als 1.600 Mitgliedsorganisationen aus allen Bereichen der Branche und das Vertrauen unserer Partnergesellschaften in Österreich, der Schweiz, Dänemark, Bulgarien, Kroatien und Spanien bestätigen dies.

Die Zertifizierung hat sich in den vergangenen Jahren als geeignetes Planungs- und Optimierungstool bewährt, das Nachhaltigkeit messbar und die Transformation praktisch möglich macht. Mehr als 9.000 Projekte in mehr als 20 Ländern beweisen dies. Es ist nicht der schnelle und einfache Weg, aber es ist der langfristig richtige. Weil er der Komplexität des Bauens insgesamt und der Individualität jeder Bauaufgabe Rechnung trägt. Mit dem neu geschaffenen Förderweg der NH-Klasse über das Qualitätssiegel Nachhaltiges Bauen (QNG) innerhalb der BEG-Förderung greift der Bund das deutsche Nachhaltigkeitsverständnis auf. Nicht, weil die DGNB Lobbyarbeit betrieben hat, sondern weil die Neuausrichtung, wie bereits erläutert, die logische Konsequenz und das richtige ist. Die DGNB sieht es als Selbstverständlichkeit an, den inhaltlich richtigen Weg zu unterstützen und hat sich deshalb dem offiziellen Verfahren gestellt und lässt sich über die nationale Akkreditierungsstelle der Bundesrepublik Deutschland (DAkkS) anerkennen.

Kräfte bündeln: die Zeit geht aus!

Denn worum geht es? Es geht darum, endlich noch viel konsequenter die Zielsetzungen des Klima- und Ressourcenschutzes im Bauwesen umzusetzen. Es geht um globale Ziele, um den Klimawandel als größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte. Der im Februar veröffentlichte IPCC Report hat das verbleibende Zeitfenster auf etwa zehn Jahre beziffert. Zehn Jahre, die bleiben, um die radikale Trendwende der globalen CO2-Emissionen zu schaffen. Gerade im Bauen ist die Ressource „Zeit“ die kostbarste, die wir haben. Es bleibt nicht die Zeit, diese zehn Jahre für Forschung zu benutzen, wie man es hätte noch besser machen können, wer sonst noch verantwortlich ist oder wer erstmal anfangen sollte. Verschärft durch den furchtbaren Krieg in der Ukraine und der daraus erwachsenen Ressourcenknappheit ist es an der Zeit, dass wir zusammenstehen und lösungsorientiert an der Umsetzung arbeiten! Die alten Lobby-KPIs wie etwa der zehnte Ministertermin oder das Verhindern von vermeintlich kostensteigernden Regularien sind spätestens seit diesem Jahr veraltet und nicht mehr zeitgemäß.

Den Wandel aktiv gestalten, unterstützen oder ihm wenigstens nicht im Wege stehen, darum geht es jetzt!  

Nicht anfangen ist der größte Fehler

Der Bundesregierung können wir nur sagen: Halten Sie Kurs! Halten Sie den Druck aus und gehen Sie diesen Weg weiter, wenn es um die Überarbeitung des GEG geht. Wir brauchen die Umstellung auf die Zielgröße CO2 und die Lebenszyklusbetrachtung um zielgerichtet planen, bauen, sanieren und Gebäude betreiben zu können. Wir brauchen Transparenz in Form einer Monitoringverpflichtung, um die Grundlage für zielgerichtetes und wirtschaftliches Handeln zu schaffen.

Die DGNB wird diesen Weg nach besten Kräften unterstützen. Wir wollen aktiv dazu beitragen, Wissensvermittlung in der Breite zu ermöglichen, gemeinsam Lösungen zu bieten und die Veränderung als Chance zu begreifen. Als Chance, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft der gebauten Umwelt in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz aktiv mit zu gestalten.

Hierfür stehen wir gemeinsam mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie unseren Mitgliedern jeden Tag ein, auch wenn es mehr Arbeit ist und keine Erfolgsgarantie besteht. Denn eines sollte doch wirklich jedem klar sein: Den größten Fehler, den wir heute begehen können, ist nicht anzufangen und noch mehr der knappen Zeit zu vergeuden.

Herzlich laden wir alle ein, diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen!

 

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