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Die Mär der Mehrkosten beim nachhaltigen Bauen

Eine Studie aus Dänemark zeigt: nachhaltiger bedeutet nicht mehr Kosten

„Ich würde ja gerne nachhaltiger bauen, aber die Kosten …“: Die Angst vor Mehrkosten durch Nachhaltigkeit ist ein Faktor, der bei Planung und Umsetzung immer wieder zu Bedenken und Zögern führt – unbegründet, wie eine neue Studie aus Dänemark nun mit Blick auf den Gebäudeneubau zeigt. Hier wird deutlich: nachhaltiger ist nicht gleich teurer. Im Gegenteil.

„Nachhaltig ist teuer(er)“: ein Vorurteil, das das nachhaltige Bauen bereits seit seinen Anfängen begleitet. Die Studie von Buus Consult im Auftrag unseres Systempartners aus Dänemark, dem Green Building Council Denmark, sorgt nun für mehr Klarheit. Sie nimmt 37 DGNB zertifizierte Gebäude unter die Lupe und fragt: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Baukosten?

Die Stichprobe: Was wurde untersucht?

Herausfordernd bei der Frage nach dem Zusammenhang ist insbesondere die Auswahl der Untersuchungsobjekte. Bekanntlich ist jedes Gebäude ein Unikat und die Wirtschaftlichkeit hängt von einer großen Anzahl an Faktoren ab. Um die Frage zu beantworten bedarf es jedoch vergleichbarer Daten. Um das zu garantieren wurden Neubauten ausgewählt, die zugleich Teil des Reports „Climate impact from 60 buildings“ des Subsidiary Bodies for Implementation der United Nations Framework Convention on Climate Change sind. Im Zuge dieser Analyse wurden alle Gebäude einem Qualitätscheck unterzogen und Berechnungen zur Ökobilanz wurden auf Basis desselben Tools durchgeführt.

Unter diesen 37 Gebäuden sind acht mehrgeschossige Wohnbauten, 21 Bürogebäude und acht Reihenhäuser. Bei den Bauträgern handelt es sich um öffentliche, gemeinsame, private und Rentenfonds. Die Projekte sind geografisch in Dänemark verteilt, wurden zwischen 2012 und 2019 gebaut und reichen von ca. 500m2 bis ca. 40.000m2.

Die Faktoren: Wie werden Nachhaltigkeit und Kosten gemessen?

Als Grundlage für die Nachhaltigkeitsbewertung wurde zum einen die DGNB Zertifizierung gewählt, da sie Ausdruck der Gesamtperformance eines Gebäudes im Hinblick auf eine Vielzahl an Nachhaltigkeitsparametern ist. Drei der Gebäude sind mit DGNB Platin zertifiziert, 27 mit Gold und sieben mit Silber. Darüber hinaus wurde aufgrund der hohen Relevanz der CO2-Fußabdruck der Gebäude betrachtet.

Mit Blick auf die Kosten wurden die gesamten Baukosten zur Errichtung des Gebäudes sowie der Kapitalwert berücksichtigt. Letzterer setzt sich zusammen aus  den Gesamtkosten für Bau, Betrieb und Instandhaltung, eventuellen Ersatz von Gebäudeteilen, Reinigung sowie Ausgaben für die Versorgung mit Energie und Wasser. Die Baukosten liegen zwischen ca. 800 Euro pro m2 und ca. 3200 Euro pro m2.

Das Ergebnis: „Je nachhaltiger, desto teurer“ ist ein Mythos

Die Ergebnisse zeigen: nachhaltiger ist nicht gleich teuerer. Weder höhere DGNB Auszeichnungsstufen noch geringere Umweltwirkungen gehen zwingend mit höheren Kosten einher.

Die Ergebnisse zeigen: nachhaltiger ist nicht gleich teuerer. Weder höhere DGNB Auszeichnungsstufen (Abb. 1) noch geringere Umweltwirkungen (Abb. 2) gehen zwingend mit höheren Kosten einher.

Stellt man nun Kosten- und Nachhaltigkeitsfaktoren einander gegenüber, ist das Ergebnis deutlich: Es gibt weder einen klaren Zusammenhang zwischen den Kosten und der DGNB Auszeichnungsstufe (siehe Abb.1) noch zwischen den Kosten und den Umweltwirkungen (siehe Abb.2). Zwar muss angemerkt werden, dass es sich hierbei um Trends handelt und nicht ausgeschlossen werden kann, dass bei einzelnen Projekten Maßnahmen zur Steigerung der Nachhaltigkeit die Kosten erhöht haben. Dennoch ist klar: nachhaltiger heißt nicht gleich teurer. Im Gegenteil. Einige der Gebäude mit den höchsten DGNB Bewertungen oder den geringsten CO2-Fußabdrücken gehören zugleich zu denen, mit den geringsten Baukosten.

Hier geht‘s zur vollständigen Studie.

Nachhaltigkeit rechnet sich

Das ist eine Erkenntnis, die sich mit den bisherigen Erfahrungen der DGNB mit zertifizierten Gebäuden deckt. Höhere Baukosten entstehen in der Regel nicht durch Klimaschutzmaßnahmen, sondern meist durch zahlreiche Extras, die zusätzlich oder eigentlich nur umgesetzt werden sollen, damit eine gute Vermarktung sichergestellt wird. Grundsätzlich gilt: Je früher im Planungsprozess relevante Aspekte mitgedacht werden, desto höher die Beeinflussbarkeit und geringer der Aufwand – auch finanziell.  Wer nachhaltig bauen will, sollte Nachhaltigkeit von Anfang an mitdenken.

Ergebnisse einer DGNB internen Auswertung zertifizierter Bürogebäude 2018

Auch eine interne Auswertung der DGNB (2018) zertifizierter Bürogebäude zeigt: Höhere Auszeichnungsstufen bei der Zertifizierung sind nicht unbedingt mit höheren Baukosten verbunden.

Feststellen lässt sich zudem, dass nachhaltiges Bauen die Betriebskosten verringert, die über die Nutzungsdauer von Gebäuden in etwa mit den Baukosten gleichzusetzen sind. Das steigert die Attraktivität und erhöht die Nachfrage von Investoren, Mietern und Kunden. Zukunftsfähige Gebäude sichern außerdem eine langfristige Wertstabilität. Nachhaltigkeit rechnet sich also in mehr als einer Hinsicht.

Wer noch mehr erfahren möchte, findet im Report „Mehrwert zertifizierter Gebäude“ die häufigsten Gründe, die für eine DGNB Zertifizierung sprechen sowie Erfahrungen von Bauherren mit dieser. Und die Borschüre „Kein „Ja, aber…“ mehr“ räumt mit weiteren gängigen Vorurteilen zum nachhaltigen Bauen auf.

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