Gebäude im Betrieb, Nachhaltiges Bauen, Sustainable Finance
Schreibe einen Kommentar

Von Level(s) bis Taxonomie – So viel EU steckt im DGNB System

Taxonomie_Verifikation_ESG_DGNB

Die Taxonomie und das Rahmenwerk Level(s) sollen den oft schwammigen Begriff der Nachhaltigkeit europaweit nachvollziehbar machen – gerade in Bezug auf nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten sowie die Bau- und Immobilienbranche. Die DGNB hat sich bereits frühzeitig darauf eingestellt und berücksichtigt die Nachhaltigkeitsziele der EU. Doch wie europäisch ist das DGNB System eigentlich genau?

Mit dem Green Deal hat sich die Europäische Union das Ziel gesetzt, 2050 klimaneutral zu sein und den Übergang zur Kreislaufwirtschaft in allen Branchen abgeschlossen zu haben. Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um mehr als die Hälfte reduziert werden. So möchte Europa eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit einnehmen.

Um diese Ziele in der Bau- und Immobilienbranche zu erreichen und die Nachhaltigkeit von Gebäuden und Bauvorhaben mess- und vergleichbar zu machen, hat die EU-Kommission das Level(s) Rahmenwerk entwickelt, an dem auch die DGNB frühzeitig mitgewirkt hat. Es definiert, was Nachhaltigkeit EU-weit in Bezug auf Gebäude überhaupt bedeutet und wie sie einheitlich dokumentiert werden soll. Dazu dienen insgesamt 16 Indikatoren.

Die DGNB berücksichtigt das Rahmenwerk bereits seit der System-Version 2018 bei der Zertifizierung und deckt einen Großteil der Level(s) Indikatoren ab. Für DGNB zertifizierte Projekte ist ein Reporting nach Level(s) daher vergleichsweise unkompliziert – und das wird mit Blick auf den Green Deal immer wichtiger, da das Rahmenwerk in damit verbundene Maßnahmen wie u.a. den Circular Economy Action Plan oder auch die Taxonomie eingebunden ist.

Um das europäische Nachhaltigkeitsverständnis darüber hinaus zu unterstützen und die Anwendung des Rahmenwerks im Markt zu fördern, hat sich die DGNB gemeinsam mit sieben weiteren europäischen Green Building Councils in dem Projekt LIFE Level(s) engagiert, das sich besonders auf die Level(s) Indikatoren Lebenszyklusanalyse, Lebenszykluskosten und Innenraumluftqualität konzentriert.

Investitionslücken schließen

Für die Umsetzung der EU-Ziele bedarf es aber mehr als neuer Bewertungsmaßstäbe. Jährlich sind  Investitionen von schätzungsweise 175 bis 290 Mrd. Euro nötig, damit die geplante Transformation hin zur klimaneutralen Kreislaufwirtschaft vollzogen werden kann. Um ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten sichtbar zu machen und zu stärken, hat die EU deshalb mit der Taxonomie ein Klassifizierungssystem entwickelt. Die Taxonomie ist ein zentraler Bestandteil der Sustainable-Finance-Aktivitäten der EU und setzt sechs Umweltziele voraus, die es zu beachten gilt: (1) Klimaschutz, (2) Anpassung an den Klimawandel, (3) nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen, (4) Wandel zu einer Kreislaufwirtschaft, (5) Vermeidung von Verschmutzung und (6) Schutz von Ökosystemen und Biodiversität. In einigen Anforderungen verweist die Taxonomie auch auf Level(s). So muss beispielsweise für Gebäude mit einer Bruttogesamtfläche von über 5000 m² eine Ökobilanzierung durchgeführt werden.

Alles Taxonomie-konform?

Im Bau- und Immobiliensektor findet die EU-Taxonomie Anwendung bei:

  • Neubau,
  • Renovierung / Sanierung,
  • Erwerb und Eigentum / Gebäuden im Betrieb sowie
  • individuellen Maßnahmen und professionellen Dienstleistungen

Für Neubau, Renovierung/Sanierung sowie Erwerb und Eigentum/Gebäude im Betrieb ist ein direkter inhaltlicher Abgleich der Kriterien aus der EU-Taxonomie mit den Zertifizierungssystemen der DGNB möglich. Die hohe Übereinstimmung  zeigt, dass Investoren und Finanzinstitute über die Anwendung verschiedener Zertifizierungssysteme der DGNB bestens für die Anforderungen der EU-Taxonomie gerüstet sind. Das konnte auch eine erste Studie zur EU-Taxonomie unter Beteiligung der DGNB zeigen. Aktuell bewertet die DGNB mit Partnerorganisationen im Rahmen einer Folgestudie die Marktfähigkeit der vorgeschlagenen EU-Taxonomie-Screening-Kriterien zur Kreislaufwirtschaft für den Bau- und Immobiliensektor. In diesen wird ähnlich wie in den Kriterien zum Klimaschutz und zur Klimawandelanpassung auf Level(s) verwiesen.

Zukunftssicher aufgestellt

Wer eine Immobilie besitzt, kann diese übrigens mit einer ESG-Verifikation bei der DGNB und weiteren Partnern der Climate Positive Europe Alliance (CPEA) auf Konformität mit den Kriterien der EU-Taxonomie prüfen lassen. Die ESG-Verifikation orientiert sich an den jeweils aktuell vorliegenden Taxonomie-Kriterien und bezieht daher auch Arbeits- und Sozialstandards sowie eine „Good Governance“ der handelnden Unternehmen mit ein. Wer die ESG-Verifikation der DGNB in Anspruch nimmt, erhält neben dem Nachweis über die Konformität des Projekts zur EU-Taxonomie zusätzlich einen Bericht über die Detailergebnisse und kann daraus einen möglichen Nachbesserungsbedarf ableiten.

Die DGNB bietet Eigentümern und Eigentümerinnen sowie Bauwilligen also gleich mehrere Tools, Nachbesserungsbedarf zu identifizieren und Immobilien zukunftssicher zu planen, zu bauen und zu betreiben. Das heißt: Durch die DGNB zertifizierte Projekte sind konform mit den Nachhaltigkeitszielen der EU und gut vorbereitet auf zukünftige Anforderungen an eine ökologische, wohngesunde und klimagerecht gebaute Umwelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.